Wirtschaft : Der DGB erwartet moderate Abschlüsse

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Dieter Schulte verteidigt die IG-Metall-Forderung und sieht künftig mehr individuelle Arbeitszeitenalf

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist optimistisch, dass in den bevorstehenden Tarifrunden die Vorgaben aus dem Bündnis für Arbeit umgesetzt werden. DGB-Chef Dieter Schulte sagte am Montag in Berlin, "in den nächsten acht Wochen wird es den einen oder anderen Tarifvertrag geben, der sich an dem orientiert, was wir vereinbart haben". Bei einem Spitzentreffen am 9. Januar hatten sich Gewerkschafter und Arbeitgeber unter anderem auf "eine beschäftigungsorientierte und längerfristige Tarifpolitik" verständigt, die sich am Produktivitätszuwachs orientiert. Wenige Tage nach der Bündnisrunde hatte die IG Metall ihre Tarifforderung in Höhe von 5,5 Prozent beschlossen, was auf Arbeitgeberseite als Verstoß gegen die Bündnis-Verabredung gesehen wurde. Schulte versuchte die IG-Metall-Forderung am Montag zu relativieren: "Das eine ist die Forderung, das andere ist das Ergebnis."

In diesem Jahr erwartet Schulte zwar eine "Trendwende" auf dem Arbeitsmarkt. Da jedoch die erwartete Wachstumsrate kaum über dem Produktivitätsfortschritt liegen werde, sei nicht mit zusätzlichen Arbeitsplätzen zu rechnen. Deshalb "ist eine weitere Arbeitsumverteilung" erforderlich. Dabei befürwortet der DGB-Chef die umstrittene Rente mit 60 "als einen sinnvollen Weg". Schulte räumte allerdings ein, dass für kollektive Arbeitszeitverkürzungen die Zeit vorbei ist: "Stärkere individuelle Regelungen werden die Zukunft sein." Auch die IG Metall, die unlängst noch über die 32-Stunden-Woche für alle nachdachte, habe inzwischen erkannt, "dass es so etwas nicht geben wird". Der DGB-Chef legte in seinem Jahresausblick einen Schwerpunkt beim Thema Ausbildung und Weiterbildung. Notwendig sei eine "Qualifizierungsoffensive", die so konzipiert sein müsse, "dass für lebenslanges Lernen gleichberechtigte Start- und Umsetzungschancen bestehen". In diesem Zusammenhang zitierte Schulte aus einer neuen Studie, wonach der Anteil junger Menschen zwischen 20 und 25 ohne Ausbildung deutlich gestiegen ist. Und zwar von elf auf 15,4 Prozent seit 1991. Zur Berufsausbildung sagte Schulte, "das Ausbildungssystem muss durchlässiger werden", modulare Ausbildung sei ebenso zu fördern wie Modelle zur Kombination von betrieblicher und außerbetrieblicher Ausbildung. Schulte kritisierte schließlich den Plan der Bundesregierung, die Erlöse von Beteiligungsverkäufen steuerfrei zu stellen. Das sei ein "Startschuss zu einem Unternehmensmonopoly, das böse Konsequenzen für die betroffenen Unternehmen und ihre Beschäftigten haben kann". Deshalb müssten gesetzliche Regelungen her, um die Mitarbeiter zu schützen. Der DGB werde allen Bundestagsfraktionen einen Vorschlag unterbreiten, "damit das Schlimmste verhindert wird".

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