Wirtschaft : Der entmachtete Milliardär

Ein Gericht gibt Metro mehr Einfluss beim Elektronikhändler Media-Saturn. Gründer Erich Kellerhals hat das Nachsehen.

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Streitbar. Erich Kellerhals und seine Frau Helga gründeten 1979 Media-Markt. Foto: p-a/dpa
Streitbar. Erich Kellerhals und seine Frau Helga gründeten 1979 Media-Markt. Foto: p-a/dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Der Streit, den das Münchner Oberlandesgericht zu entscheiden hatte, mutet an wie der Kampf zwischen David und Goliath. Auf der einen Seite steht Erich Kellerhals, ein 72 Jahre alter Milliardär, der 1979 mit Freunden und seiner Frau Helga die Elektronikkette Media-Markt gründete. Auf der anderen Seite aber steht die Metro-Gruppe, Deutschlands größter Handelskonzern, der im vergangenen Jahr fast 67 Milliarden Euro umsetzte, und die Mehrheit an Media-Markt und Saturn hält. Beide streiten schon seit Jahren darum, wer bei den Elektronikketten das Sagen haben soll. Nun haben zwei Gerichte geurteilt, und – anders als in der biblischen Geschichte – hat Metro in dem seit anderthalb Jahren schwelenden Streit einen Sieg errungen.

Das Oberlandesgericht München urteilte am Donnerstag, dass es rechtmäßig war, einen Beirat für unternehmerische Entscheidungen bei Media-Saturn einzurichten. Der ehemalige Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes hatte das Gremium geschaffen, um mehr Einfluss auf das Geschäft bei der Elektronikkette nehmen zu können. Denn die Metro hält zwar 75,41 Prozent der Anteile der Media-Saturn-Holding, kann aber keine Entscheidung ohne Gründer Kellerhals fällen. Denn in der Gesellschafterversammlung, das Führungsgremium der Holding, ist eine Mehrheit von 80 Prozent nötig, die Kellerhals mit seinem 22-prozentigen Anteil ein Veto-Recht garantiert. Im nun legitimierten Beirat soll künftig eine einfache Mehrheit reichen, um Beschlüsse zu fassen. Das ist wichtig, weil Kellerhals und die Metro in zentralen Fragen zur Ausrichtung von Media- Saturn uneins sind.

Im Streit um die Zuständigkeiten des Beirats hat Metro sich nach eigenen Angaben mehr Befugnisse sichern können. Am Mittwoch hatte ein Schiedsgericht darüber geurteilt. Künftig dürfe in dem Gremium über Ver- und Zukäufe sowie Budgetfragen entschieden werden, wie Metro mitteilte. Das bedeutet, dass Beschlüsse etwa zur Expansion nach Asien, zur Modernisierung der Filialen oder zur Online-Strategie künftig auch gegen Minderheitsgesellschafter Kellerhals verhandelt werden können. Die Bestellung der Geschäftsführung der Holding aber soll – anders als von Metro erhofft – offenbar weiter von der Gesellschafterversammlung entschieden werden, sowie die Gewinnverwendung und die Änderung der Unternehmensform. Ein Börsengang, den die Metro favorisiert, den Kellerhals aber ablehnt, bleibt damit unwahrscheinlich.

Metro sah sich am Donnerstag bestätigt: „Wir sind sehr erfreut“, sagte Vorstandschef Olaf Koch, der zugleich versuchte, die Wogen zu glätten. Man wolle nun mit allen Gesellschaftern „kooperativ nach vorne gehen“. Die Firma Convergenta Invest, über die Kellerhals seine Anteile an Media-Saturn hält, legte das Schiedgerichtsurteil aber ebenfalls zu ihren Gunsten aus: Kellerhals habe weiter seine Minderheitsrechte, Metro könne „nicht gegen den Willen der Gründungsgesellschafter durchregieren“, hieß es.

Dass Kellerhals, der Erfinder des Elektronik-Discounters, nicht aufgeben will, hat er bereits mehrfach erklärt. Der Mann, der nur selten Interviews gibt, dafür aber auf seiner Homepage immer wieder scharfe Kommentare verfasst, will sein Lebenswerk retten. Am liebsten würde er, der sich seit 1994 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, ohne die Metro weitermachen, sagte er kürzlich. Im Netz schreibt er von Investoren, die Interesse am Anteil des Konzerns hätten, ohne aber Namen zu nennen.

Die Richter hatten beide Parteien zum Auftakt des Verfahrens ermahnt, sich „endlich zusammenzuraufen“. Doch spricht alles dafür, dass der Konflikt trotz juristischer Klärung weitergehen wird. Das OLG schloss am Donnerstag eine Revision explizit aus, allerdings kann Kellerhals, der bereits gedroht hatte, durch alle Instanzen gehen zu wollen, dagegen Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. Auch hat er die Möglichkeit, jede einzelne Entscheidung des Beirats juristisch anzufechten, erklärte einer seiner Sprecher. Metro hat davor keine Angst. Die Chancen, damit durchzukommen, seien „minimal“, erklärte Koch, und sprach von einem „stumpfen Schwert“. Beide Seiten wollen nun die ausführlichen Urteilsbegründungen abwarten. Jahel Mielke

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