Wirtschaft : Der Euro ist nicht zu stoppen

Experten halten einen weiteren Anstieg für möglich – deutsche Autobauer bekommen Schwierigkeiten in den USA

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Berlin (hop). Der Euro zeigte auch am Freitag Stärke und hielt sich über der Marke von 1,12 USDollar. Viele Unternehmen warnen davor, dass ein weiterer Anstieg den Export hemmen und das Wirtschaftswachstum belasten könnte. Eine Reihe von Experten halten das aktuelle Niveau aber noch nicht für gefährlich. Doch der Dollar dürfte weiter nachgeben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte am Freitagnachmittag den Referenzkurs bei 1,1239 Dollar fest – nach 1,1131 Dollar am Mittwoch. Der Euro ist damit so wertvoll wie seit vier Jahren nicht mehr. Udo Ludwig, Konjunkturexperte am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), sagte dem Tagesspiegel: „Natürlich dämpft ein steigender Euro- Kurs die Konjunktur etwas.“ Aber die bisherigen Wachstumsprognosen müssten noch nicht korrigiert werden. „Die Auswirkungen des aktuellen Kursanstiegs sind kaum messbar.“ Er koste weit weniger als 0,1 Prozent Wirtschaftswachstum.

Der Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark ist ebenfalls kaum beunruhigt. Durch die bisherige Aufwertung gebe es keine akute Gefahr für den deutschen Export und für die Unternehmensgewinne, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit sei sogar besser als im langjährigen Durchschnitt.

Gewinner durch den starken Euro sind vor allem die Verbraucher, weil die Importpreise fallen. Allerdings leiden einige Unternehmen bereits unter dem Euro. Und einige Branchen belastet schon allein der Grund für den schwachen Dollar – nämlich die schwache US-Konjunktur (siehe Kästen).

So mussten die deutschen Autokonzerne schlechte Absatzzahlen aus den USA für dieses Jahr melden. Volkswagen teilte zum Beispiel mit, dass der Konzern hier in den ersten vier Monaten 2003 nur 92 209 Autos und damit insgesamt 12,4 Prozent weniger verkauft hat als im Vorjahreszeitraum. Bei Mercedes-Benz brach der Absatz im April um drei Prozent und bei der Daimler-Tochter Chrysler um 6,7 Prozent ein. Der Sportwagenhersteller Porsche konnte seinen Absatz nur durch das neue Modell Cayenne steigern. Auch BMW verdankte seine stabilen Absatz nur der wachsenden Beliebtheit des neuen Mini. Negativ wirken nicht nur die niedrigeren Absatzzahlen – die Gewinne fallen noch schneller. Denn die Umsätze werden in den USA mit Dollar gemacht, der immer weniger in Euro wert ist.

Ein schneller Euro-Kursverfall ist nicht in Sicht. Am Freitag wandte sich Hermann Remsperger, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, gegen eine Lockerung der Inflationskritierien der EZB – und damit gegen eine Lockerung der Währungspolitik.

Der Euro wird nach Ansicht der meisten Experten zunächst aber ohnehin weiter zulegen. Bundesbank-Vizepräsident Stark würde eine weitere Dollar- Abwertung nicht überraschen. Der Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus&Burckhardt, Stefan Schilbe, rechnet per Jahresfrist mit einem Euro-Kurs von 1,20 Dollar. Und Jens-Uwe Wächter, Euro-Experte bei der Deka Bank, sagte: „1,20 Dollar sind nicht auszuschließen.“ Allerdings hält die Deka Bank noch an ihrer bisherigen Prognose von 1,15 Dollar zum Jahresende fest.

Aber mit dem aktuellen Stand von 1,12 Dollar habe man aber eigentlich erst für Ende Juni gerechnet, sagte Wächter. Der Dollar hätte zunächst nach dem Ende des Irak- Kriegs etwas stärker tendieren müssen, denn in der Folge sei mit einer Belebung der Wirtschaft zu rechnen gewesen. Doch eine Reihe von schlechten US-Konjunkturdaten hatten den Dollar unter Druck gesetzt. Außerdem dürfte nach Ansicht von Wächter und von Stark das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA den Dollar weiter schwächen.

Skeptischer ist dagegen Ludwig vom IWH. „Es gibt keinen überzeugenden Grund, dass der Dollar in diesen Tagen so stark abwertet.“ Für ihn sei die Euro-Stärke nur ein „Ausrutscher nach oben“. Er rechne auch nicht mit einem schnellen Anstieg auf 1,20 Dollar.

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