Wirtschaft : Der Eurofighter peilt jetzt die Exportmärkte an

MÜNCHEN (tmh).Das lange umstrittene Jagdflugzeug Eurofighter soll kommendes Jahr erstmals auf Exportmärkte fliegen."Sehr großes Interesse" zeigen Norwegen und Griechenland, sagte der Geschäftsführer der Eurofighter GmbH, Brian Phillipson, am Dienstag vor Journalisten in München."Ernsthafte Gespräche" gebe es auch mit anderen europäischen Nationen, Australien, in Asien und Lateinamerika.In Griechenland gehe es um einen Bedarf von insgesamt 120 Jets, in Norwegen um bis zu 60 Maschinen.Erste Entscheidungen könnten 1999 fallen.Basis für die Exportbemühungen war das endgültige Zustandekommen des Projekts Anfang dieses Jahres.Für Gesamtkosten von 85 Mrd.DM über einen Zeitraum von 30 Jahren inklusive Wartung, Ersatzteile und Ausbildung haben Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien insgesamt 620 Maschinen bestellt, die zwischen 2002 und 2014 ausgeliefert werden.Für weitere 90 Jets besteht eine Option.

Phillipson sieht darüber hinaus bis 2025 einen Exportmarkt außerhalb der USA, Rußlands, Chinas und den vier Eurofighter-Nationen mit einem Potential von 800 Flugzeugen."Mindestens die Hälfte wollen wir erobern," kündigte der Manager selbstbewußt an.Kapazitäten für Exporte könne die in Hallbergmoos bei München ansässige Eurofighter-Gesellschaft bei Bedarf ab 2004 freimachen.Dabei will Phillipson die amerikanische F 16 und russische Billigjäger überflügeln.Weniger optimistisch ist er hinsichtlich der Schaffung neuer Arbeitsplätze.Der Jet sorge kaum für Neueinstellungen, räumte der Manager ein.Vor der gerade in Deutschland umstrittenen Beschaffungsentscheidung für 180 Eurofighter hatten Industrie und Gewerkschaft mit den damit verbundenen Arbeitsplatzeffekten argumentiert.Demnach seien hierzulande 18 000 Stellen direkt mit dem Projekt verbunden.Europaweit sichere der Eurofighter etwa 120 000 Arbeitsplätze, meinte Phillipson.

Es gebe sowohl Personal- wie auch Technologietransfer zwischen dem Eurofighter und dem Airbus.Das mühsame Zusammenrücken der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie verfolgt der Manager relativ entspannt.Eine vieldiskutierte Fusion zwischen British Aerospace (BAe) und DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) hätte für ihn kaum Auswirkungen, da beim Eurofighter alle Möglichkeiten zur Kosteneinsparung ausgeschöpft seien.BAe und Dasa sind an der Eurofighter GmbH zu je einem Drittel beteiligt.Unabhängig vom Eurofighter rechnet Phillipson mit einem Verschmelzen von Europas Militärflugzeugindustrie unter Einschluß Frankreichs binnen vier Jahren.

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