Wirtschaft : Der Fernsehmarkt wird aufgemischt

Corinna Visser

Der deutschen Fernsehlandschaft stehen spannende Zeiten bevor. ARD, ZDF, RTL und Sat 1 fürchten, bald den direkten Draht zum Zuschauer zu verlieren. Wenn der amerikanische Medienunternehmer John Malone die Mehrheit der deutschen Kabelnetze kontrolliert, haben die deutschen Sender tatsächlich schlechte Karten. Denn Malone bringt seine eigenen Programme mit. Dass das veraltete deutsche Kabelnetz endlich für neue Dienste aufgerüstet wird, begrüßen zwar alle. Der (Noch-)Eigentümer Deutsche Telekom hat es versäumt, das Kabel zu entwickeln, nachdem es einmal verlegt war. Doch Malone soll in Deutschland nicht machen dürfen, was er will, fordern Sender und Medienpolitiker.

Das Problem ist tatsächlich, dass die wünschenswerte Trennung der Telefon- und der Kabelnetze nicht zu mehr Wettbewerb in der Infrastruktur geführt hat. Der Ex-Monopolist Telekom hat jetzt den größten Teil des Kabelnetzes an ein einziges Unternehmen verkauft, das nun ebenfalls große Macht am Markt besitzt. Das Kartellamt wird gut überlegen müssen, unter welchen Auflagen es den Verkauf genehmigt. Darf Malone noch weitere kleinere Kabelgesellschaften hinzukaufen? Darf er sich an Sendern in Deutschland beteiligen? Noch bevor der Verkauf über die Bühne ist, testet Malone schon einmal die Schmerzgrenzen. Und wenn er nicht darf, was er will, dann wird er wohl vom Kauf zurücktreten. Diese Drohung ist ziemlich ernst zu nehmen. Und: So leicht wird sich kein neuer Käufer finden lassen, der der Telekom ein paar Milliarden für das Kabel zahlt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar