Wirtschaft : Der Jobmotor springt an

Die Arbeitslosenzahl sinkt stärker als im Juni üblich. Der Wirtschaftsweise Franz wertet das auch als Erfolg der Hartz-IV-Reform

Johannes Eber

Berlin - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni auf 4 ,397 Millionen gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit Inkrafttreten der umstrittenen Hartz-IV-Reform. Die Arbeitslosenquote ging binnen Monatsfrist um 0,3 Punkte auf 10,5 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 11,3 Prozent gelegen. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sprach am Donnerstag von einer erfreulichen Entwicklung. Der Rückgang sei stärker als im Monat Juni üblich. Die Zahl der offenen Stellen lag im Juni mit 581 000 um 142 000 über dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung sei zwar noch keine Trendwende, aber ein „Frühindikator“ dafür, sagte Weise. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) forderte die Wirtschaft auf, mehr Arbeitsplätze zu schaffen: „Insgesamt reicht hier die Anstrengung noch nicht.“

Auch in der Region Berlin und Brandenburg ging die Arbeitslosigkeit zurück. In Berlin suchten Ende Juni offiziell 289 945 Menschen eine Stelle, 33 596 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote sank auf 17,2 Prozent. In Brandenburg nahm die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19 877 auf 16,5 Prozent ab. Die Arbeitslosenquote liegt in den neuen Bundesländern im Durchschnitt bei 16,8 Prozent, im Westen bei 8,9 Prozent.

Wolfgang Franz, einer der fünf Weisen im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, glaubt, dass sich in der positiven Entwicklung die Hartz-IV-Reform bemerkbar macht: „Jetzt bekommen jene Recht, die Geduld bei den Wirkungen der Reform gefordert haben“, sagte der Mannheimer Ökonom dem Tagesspiegel. „Die Perspektiven sind gut, dass Hartz IV langsam zu wirken beginnt.“

Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung, macht dagegen neben konjunkturellen auch saisonale Effekte für den Rückgang verantwortlich. So habe sich die deutliche Belebung in der Bauwirtschaft nach einem harten Winter besonders positiv in der Statistik niedergeschlagen. Tatsächlich ist saisonbereinigt die Arbeitslosenzahl bundesweit nur um 49 000 auf 4,542 Millionen gesunken. „Außerdem macht sich ein statistischer Hartz-IV-Effekt bemerkbar, nämlich die starke Ausweitung der Ein- Euro-Jobs“, sagte Horn dem Tagesspiegel. Laut Bundesagentur lag die Zahl der Ein-Euro-Jobs mit 281 300 um 63 000 höher als vor einem Jahr.

Positiv hat sich die Zahl der Erwerbstätigen entwickelt. Zum ersten Mal seit fünf Jahren konnte der Abbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gestoppt werden. Nach den jüngsten vorliegenden BA-Schätzungen für April gibt es mit 26,1 Millionen Jobs genauso viele wie im April vor einem Jahr. Die Erwerbstätigkeit insgesamt stieg nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts für Mai saisonbereinigt um 36 000.

Verschlechtert haben sich die Aussichten für Lehrstellenbewerber. Laut Bundesagentur für Arbeit sind derzeit 120 400 Ausbildungsplätze als frei gemeldet. Gleichzeitig liegt die Zahl der nicht vermittelten Bewerber aber bei 315 000. Die rechnerische Lücke zwischen freien Stellen und Suchenden beträgt damit 194 600. Vor einem Jahr hatte sie zur gleichen Zeit bei 183 500 gelegen. Am Ende waren 28 300 junge Jobsuchende ohne Lehrstelle geblieben.

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