Wirtschaft : Der Konzern will einen neuen Partner in den Vereinigten Staaten finden

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Vorstandschef Ron Sommer rechnet nicht mit drastischem Preisrückgang auf dem deutschen Marktvis

Telekom-Chef Ron Sommer rechnet im kommenden Jahr nicht mit einem weiteren drastischen Preisverfall auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt. "Wer genau hinsieht, erkennt, dass sich die Preise so stark angenähert haben, dass sich daraus kaum ein Grund für einen Anbieterwechsel ergibt", sagte der Vorstandschef am Montagabend in Bonn. Der Markt sei nach der turbulenten ersten Wettbewerbsphase nun in die Konsolidierung eingetreten.

Dies bedeute allerdings nicht, so Sommer weiter, dass jetzt Ruhe auf dem Markt einkehre: "Ein Blick auf die Ereignisse rund um Mannesmann zeigt, dass das Thema Wettbewerb in der Schlüsselbranche Telekommuniktion eine ganz neue Dimension angenommen hat und mit einer bislang nicht gekannten Aggressivität ausgetragen wird." In den USA spreche man bereits davon, dass ehemals große Unternehmen auf dem Telekommunikationsmarkt "verzwergen", weil andere Wettbewerber durch Fusionen und Übernahmen in ganz neuen Größenordnungen wachsen. Die Telekom wolle alles dafür tun, sich "zu einem zu großen Leckerbissen zu entwickeln", um nicht selbst übernommen zu werden.

Wichtiger Wachstumsmotor soll das internationale Geschäft sein. Dabei will sich die Telekom im Ausland möglichst über Mehrheitsbeteiligungen, Übernahmen oder Fusionen engagieren. Die Telekom sei weiterhin auf der Suche nach einem starken Partner in Nordamerika. Nach der beendeten Allianz mit France Télécom und der US-Firma Sprint könne die Telekom in den USA jetzt frei agieren: "Wir haben die Fesseln abgestreift, und wir werden handeln, sobald sich eine Möglichkeit ergibt", sagte Sommer. Ausgangspunkt der weiteren Internationalisierung sei aber zunächst Europa. Mögliche Kandidaten wollte er nicht nennen. Zu einem Bericht in der "Financial Times" vom Montag, wonach die Telekom mit dem französischen Mobilfunkbetreiber Bouygues Télécom in Fusionsverhandlungen stehe, sagte ein Firmensprecher am Dienstag, an Spekulationen beteilige sich die Telekom nicht.

Bei den geplanten Börsengängen im kommenden Jahr gehe es nicht darum, Geld einzusammeln, sondern eine Akquisitionswährung zu schaffen, sagte Sommer. So könnten zum Beispiel Übernahmen im Mobilfunk mit Mobilfunkaktien bezahlt werden. Es sollen dabei möglichst wenige Aktien in den Handel kommen, nur so viele, dass ein Markt entstehe. Ein Zeitpunkt für die Börsengänge von T-Mobil und T-Online stehe noch nicht fest. Für den Verkauf einer ersten Tranche aus dem T-Aktienbestand des Bundes und der Kreditanstalt für Wiederaufbau nannte Sommer den Frühsommer als einen möglichen Termin. Die Telekom wolle sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen, auch nicht bei den Verhandlungen über den Teilverkauf des deutschen Fernsehkabels.

Der Telekom-Chef kündigte für 2000 eine Reihe von neuen Produkten und Services sowie attraktive Tarif-Initiativen an. Im Februar sollen die Preise vom Festnetz in die Mobilfunknetze der Telekom deutlich gesenkt werden. Dies bedeute für die Kunden Einsparungen von bis zu 59 Prozent. Für ISDN-Kunden kündigte Sommer den Tarif XXL an, bei dem sonntags frei telefoniert und im Internet gesurft werden könne.

Die Telekom will sich an der Stiftungsinitiative zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern beteiligen. Dies solle ein Signal für andere Unternehmen sein, sich ebenfalls finanziell zu beteiligen. Eine Summe nannte Sommer nicht.

Wie im Oktober angekündigt, wird Karl-Gerhard Eick neuer Finanzvorstand der Telekom. Der 45-Jährige promovierte Betriebswirt war zuletzt in der Haniel-Gruppe für den Vorstandsbereich Controlling, Betriebswirtschaft und EDV zuständig. Zuvor war Eick bei BMW, WMF und der Carl Zeiss Gruppe in Führungspositionen tätig. Sein Vorgänger im Amt des Telekom Finanzvorstands, Joachim Kröske (55), verlässt das Unternehmen nach zehn Jahren aus persönlichen Gründen.

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