Wirtschaft : Der Lufthansa fehlen 30 000 Passagiere pro Tag

Frankfurt (Main) (ro). Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes wird die Lufthansa möglicherweise noch mehr Flugzeuge als bisher stilllegen und weitere Strecken streichen. "Wir müssen möglicherweise noch nachsteuern", sagt der Finanzchef Karl-Ludwig Kley am Mittwoch in Frankfurt. Der Grund: Eine Trendumkehr im Passagierverkehr ist nicht erkennbar. Jeden Tag fehlen der Lufthansa 30 000 Passagiere und rund zehn Millionen Euro Umsatz.

Bislang wurden 43 Passagierflugzeuge aus dem Verkehr gezogen. Immer noch arbeitet die Lufthansa an der Umstrukturierung des Flugplans. Beim Personal gilt derzeit ein Einstellungsstop, Resturlaube und Überstunden werden abgebaut. In diesem Jahr wird das Unternehmen im operativen Geschäft nur knapp an den roten Zahlen vorbeifliegen. "Wenn alle unsere Maßnahmen greifen, werden wir dieses Jahr einen operativen Verlust vermeiden können", sagte Kley.

Dabei zehrt das Unternehmen auch von dem angesichts der Umstände überraschend guten Ergebnis von 290 Millionen Euro nach den ersten neun Monaten. Gleichwohl ist damit der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 63,5 Prozent eingebrochen. Der Umsatz kletterte noch um 14 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro.

Unter dem Strich wird die Lufthansa allerdings einen Verlust ausweisen, weil das Finanzergebnis negativ sein wird und Beteiligungserträge fehlen. Für das Jahr 2002 wagen Kley und Lufthansa-Chef Jürgen Weber angesichts der unsicheren Lage keine Prognose. Sicher sei aber, dass alle Sparmaßnahmen längerfristig angelegt sein müssten.

Nach wie vor steht nicht fest, in welcher Form die Beschäftigten ihren Sparbeitrag leisten sollen. Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften sind aber nach Angaben von Weber auf einem guten Weg. Bis 20. November sollen konkrete Sparmaßnahmen vereinbart sein. Der Vorstand und die insgesamt 1000 Führungskräfte der Lufthansa setzen ein Zeichen. Sie verzichten auf zehn Prozent ihres Grundgehaltes. Die Gewinnbeteiligung entfällt für 2001 ohnehin. Webers Bezüge etwa setzen sich zur Hälfte aus dem Grundgehalt und zur Hälfte aus einer Gewinnbeteiligung zusammen. Damit hat er wie seine Vorstandskollegen am Ende dieses Jahres 60 Prozent weniger auf seinem Konto.

Nach Ansicht von Weber und Kley hätte die Lufthansa ihr im Sommer angepeiltes Ergebnis ohne die Terroranschläge in den USA erreicht. "Unsere Prognose war realistisch", sagt Weber. Der 11. September hat dies allerdings zur Makulatur werden lassen. Die Einnahmeausfälle und damit den Schaden allein im September beziffert die Lufthansa mit 180 Millionen Euro. Diesen Betrag soll die Bundesregierung erstatten. "Das ist ein Schaden, den wir nicht zu verantworten haben." Weber erinnert daran, dass den US-Gesellschaften unmittelbar nach den Anschlägen mit fünf Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen wurde.

Bei den Kosten musste die Lufthansa vor allem einen weiteren Anstieg des Treibstoffaufwandes um 28 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro und ein Plus beim Personalaufwand um 16 Prozent auf drei Milliarden Euro verkraften. Ursache dafür war vor allem die erstmalige Einbeziehung des Catering-Unternehmens Sky Chefs mit rund 12 000 Mitarbeitern. Mittlerweile haben sich auch die Versicherungsprämien verdreifacht, im nächsten Jahr steigen die Gebühren der Flugsicherung um 16 Prozent.

Das Ergebnis in allen Geschäftsfeldern war in den ersten neun Monaten noch positiv. Auf das Jahr gesehen werden allerdings der Passagierbereich, der bis September den Umsatz noch um 7,5 Prozent steigern konnte, und das Cateringgeschäft nach Angaben von Finanzchef Kley in die Verlustzone rutschen.

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