• "Der Markt muss neu bewertet werden" - Börsenprofi prophezeit Ende der dramatischen Zuwächse (Interview)

Wirtschaft : "Der Markt muss neu bewertet werden" - Börsenprofi prophezeit Ende der dramatischen Zuwächse (Interview)

Herr Mayer[der Dax hat die 7000 Punkte am Montag]

Thomas Mayer ist Chef-Volkswirt (Europa) der Investmentbank Goldmann Sachs. Mit ihm sprach Henrik Mortsiefer.

Herr Mayer, der Dax hat die 7000 Punkte am Montag mühelos übersprungen. Wie lange steigen die Kurse noch?

Es werden jetzt schon die Kursgewinne vorweggenommen, die eigentlich für das ganze Jahr vorausgesagt waren. Sollte der Dax noch kräftig weiter steigen, dann wäre der Markt reichlich hoch bewertet. Wir sollten deshalb nicht mit weiterhin dramatischen Zuwächsen rechnen. Aber das Jahr wird noch starke Kursschwankungen bringen.

Haben die Börsianer in den vergangenen Wochen übertrieben?

Nein. Rückblickend war die Kursrallye begründet. Die Börse ist zum Jahreswechsel von zwei Dingen positiv überrascht worden. Erstens macht die Bundesregierung nun offenbar Ernst mit der Steuerreform, und zweitens hat die Umstellung auf das Jahr 2000 reibungslos funktioniert. Beide Faktoren erlauben eine fundamentale Neubewertung des Marktes und optimistischere Prognosen. Vor allem mit dem rot-grünen Vorstoß hat an der Börse niemand gerechnet. In der Politik setzt sich jetzt die Erkenntnis durch, dass freundliche Finanzmärkte gut für Wachstum und Beschäftigung sind.

Welchen Effekt wird die Steuerreform denn auf die Börse haben?

Sollte es so kommen, wie die Bundesregierung angekündigt hat, wird die Wirtschaft an Dynamik gewinnen. Ganz wichtig für die Börse ist vor allem das Vorhaben, Veräußerungsgewinne steuerfrei zu stellen. Die Unternehmen können sich jetzt schneller von Geschäftsfeldern trennen, die nicht zu ihrem Kerngeschäft zählen. Diese Schätze im Portfolio werden wertvoller, und die Börse wird Unternehmen, die über großen Beteiligungsbesitz verfügen, höher bewerten.

Und das Fusionskarussell wird sich noch schneller drehen als 1999?

Alles steht zur Disposition. Wir werden eine Neuordnung der Unternehmenslandschaft erleben, bei der auch ausländisches Kapital ganz neue Perspktiven hat. Und die Anleger werden ihr Kapital umschichten und in profitablere Bereiche fließen lassen.

Werden steigende Zinsen den Aufschwung abwürgen?

Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Politik. In Europa werden die Zinsen zwar steigen, aber die Börse wird es kaum stören.

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