Wirtschaft : Der moderne Arbeitnehmer bringt Rendite

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Solche Gewinne kennt man sonst nur von Porsche und Toyota. Bei mindestens neun Prozent liegt die Umsatzrendite der Auto 5000 GmbH, unter deren Dach in Wolfsburg seit 2002 knapp 3800 Beschäftigte den Minivan Touran bauen. Der damalige Personalvorstand Peter Hartz wollte mit dem Modell 5000 mal 5000 (5000 Arbeitslose werden zu einem Einheitslohn von 5000 Mark eingestellt) beweisen, dass die Industrie in Deutschland Zukunft hat. Das ist gelungen. Michael Schumann, Soziologe an der Uni Göttingen hat bei der wissenschaftlichen Begleitung von Auto 5000 den „Typus des modernen Arbeitnehmers“ ausgemacht, eigenverantwortlich und permanent an der „Prozessoptimierung und Wirtschaftlichkeit“ arbeitend.

Flache Hierarchien machen es möglich. Teamarbeit, ständige Kommunikation zum Beispiel in der internen „Lernfabrik“, drei Stunden Qualifizierungszeit die Woche und der Einheitslohn plus persönlicher Leistungsbonus prägen die Auto-5000-Organisation. „Die neue Betriebsgestaltung verbreitert das Know- how der Beschäftigten und erhöht ihr Engagement“, hat Schumann festgestellt. Selbst die Programmvorgaben werden akzeptiert: Wenn bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Menge Autos nicht fertig ist, muss unentgeltlich nachgearbeitet werden.

Das Grundgehalt liegt auf dem Niveau des Flächentarifvertrags und damit rund ein Fünftel unter dem VW-Haustarifvertrag, der in den traditionellen westdeutschen Werken bezahlt wird. Doch das ist, jedenfalls für VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh nicht der Punkt. Wichtiger sei die „völlig andere Betriebspolitik und Arbeitsorganisation“. Schumann zufolge haben die „Strukturinnovationen“ einen Anteil am Ertrag von mehr als einem Drittel. Tendenz steigend. Deshalb ärgert sich Osterloh über das VW-Management, das es „bislang nicht geschafft hat, die innovativen Arbeitskonzepte auf den Konzern zu übertragen“. Die Folgen der „verschlafenen Zeit“, so der Betriebsratschef, „schlagen uns jetzt gegen die Hacken“. alf

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