Wirtschaft : Der Münchner Medien-Mogul hat nun die Macht über nahezu 30 Prozent Zuschauer-Marktanteil (Kommentar)

Thomas Magenheim

Die seit Jahren kontrovers diskutierte Frage, wieviel Einfluss Leo Kirch auf die Pro Sieben-Sendergruppe seines Sohnes Thomas Kirch ausübt, ist nun endgültig beantwortet. Leo Kirch hat das Sagen und damit eine TV- Macht nahe an der Konzentrationsgrenze von 30 Prozent Zuschauer-Marktanteil erreicht. Vor allem aber verfügt er über die nun erhaltene Mehrheitsbeteiligung an der börsennotierten Pro Sieben-Gruppe über eine neue Geldquelle. Mit Blick auf den hierzulande mit aller Macht auf den Markt drängenden australischen Großinvestor Rupert Murdoch ist das viel wert. Beim sich abzeichnenden Poker um die Senderechte für die Fußballbundesliga und andere Großveranstaltungen kann Kirch Media mit den in der Gruppe verbundenen TV-Sendern nun erheblich größere Finanzmittel aufbringen. Falls frei empfangbare Fußballübertragungen in den künftigen Plänen weiterhin eine Domäne von Sat 1 bleibt. ist dieser Sender wohl der große Gewinner der Zusammenballung.

Eine andere Frage ist, ob die Programmstrukturen so bleiben, wie sie sind. Vor allem im Fall von Sat 1 und Pro7, möglicherweise auch Kabel 1 spricht die unternehmerische Logik dagegen, dass die Unabhängigkeit der jeweiligen Sender künftig unangestastet bleibt und sie sich als Konkurrenten gegenseitig Marktanteile streitig machen. Die noch von Georg Kofler geführte Pro Sieben-Gruppe hat in diesem Punkt zwar klar zugunsten einer eigenen Unabhängigkeit Stellung bezogen. Im Februar 2000 nimmt der Medienmanager, der kein Mann fürs zweite Glied ist, aber seinen Hut und verlässt die von ihm geformte TV-Gruppe. Dann könnte auch die Eigenständigkeit des profitabelsten deutschen TV-Senders rasch enden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben