• Der Multiplex-Boom ist vorbei. Hamburger Kinobetreiber will nur noch in mittleren Großstädten zukaufen

Wirtschaft : Der Multiplex-Boom ist vorbei. Hamburger Kinobetreiber will nur noch in mittleren Großstädten zukaufen

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Der Boom großer Multiplex-Kinos in Deutschland ist offenbar vorbei. Im ersten Halbjahr ging die Zahl der Besucher um 9,9 Prozent auf 6,6 Millionen zurück. Die Hamburger Cinemaxx AG, größter Kinobetreiber in Deutschland, wird sich bei Neu-Investitionen auf Städte mit 150 000 bis 250 000 Einwohner beschränken, wie Vorstandschef Hans-Joachim Flebbe bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag betonte. In solchen Städten habe ein zweites Großkino keine Chance. "Nach Jahren wilder Expansion in Deutschland werden wir jetzt auf die Bremse treten."

Expandieren will das Unternehmen vor allem im Ausland: In den nächsten fünf Jahren sollen mindestens 56 neue Cinemaxx-Multiplex-Kinos in elf Ländern eröffnet werden, unter anderem in Ungarn, Polen, Griechenland, Italien und der Türkei.

Wegen der Überversorgung mit Leinwänden in Deutschland, aber auch durch die weltweite Delle im Kinogeschäft rechnet Flebbe mit einer Konsolidierung in der Kinobranche. Daran werde Cinemaxx durch "gezielte Akquisitionen" aktiv mitwirken. Als Marktführer betreibt Cinemaxx derzeit 22 Großkinos mit 232 Leinwänden und weitere 45 Leinwände in traditionellen Kinos. Bis 2001 soll die Zahl der Großkinos auf 40 mit 380 Leinwänden steigen. Dann soll das Wachstum beendet sein, sagt Flebbe.

Von Juli bis September, im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, kamen rund 4,4 Millionen Besucher in die Cinemaxx-Kinos, ein Plus von 20,5 Prozent. Der Umsatz stieg um gut ein Viertel auf 74,3 Millionen Mark. Der Gewinn lag bei 4,5 Millionen Mark, nachdem im ersten Quartal 1998 noch ein Verlust von 4,6 Millionen Mark angefallen war. Die Umsatz- und Ertragssteigerung habe sich im Oktober fortgesetzt, sagte Flebbe. Er räumte aber auch ein, dass die Ende 1998 eröffneten Großkinos wie in Mannheim und Berlin-Hohenschönhausen noch nicht die geplanten Besucherzahlen erreichen. Mit Marketingaktionen und einem publikumswirksamen Filmangebot wollen die Cinemaxx-Manager gegensteuern. Geplant sei auch, die Kinos für die Übertragung von Sportveranstaltungen, wie etwa Formel-Eins-Rennen, zu nutzen.

Im Geschäftsjahr 1998/99 (30. Juni) hatte die Cinemaxx AG, deren Aktien seit Juli 1998 an der Frankfurter Börse notiert sind, einen Umsatz von 272 Millionen Mark erreicht. Der Jahresüberschuss lag bei 2,1 Millionen Mark nach eineem Verlust von 2,3 Millionen Mark im Vorjahr. Die Zahlen sehen allerdings auch deshalb so gut aus, weil Vorstandschef Flebbe, der zugleich Großaktionär ist, fünf Millionen Mark für den Börsengang zugeschossen hatte.

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