Wirtschaft : Der Preiskampf um Telefonkunden geht in die nächste Runde

BONN (AP/rtr/HB).Im Kampf um die Telefonkunden in Deutschland purzeln die Preise immer weiter: Die Telekom will sich mit einer Gebührensenkung auf sechs Pfennig pro Minute für Ferngespräche von der Konkurrenz absetzen.Der Anbieter Mobilcom lockt gar mit kostenlosen Telefonaten, wenn diese zwischen 19 und 24 Uhr geführt werden und nicht länger als eine Minute dauern.Andere Anbieter wie Otelo, Viag Interkom oder Arcor reagierten am Montag zunächst gelassen.

Viag Interkom hält die angekündigten Preissenkungen der Telekom für "geschickt gezündete Nebelkerzen".Sein Unternehmen werde auf solche "kurzatmigen Aktionen" aktuell nicht reagieren, sagte Viag-Sprecher Adrian Dunskus in München.Nach Ansicht des Konkurrenten Arcor zeigen die neuesten Tarifpläne vor allem, "wieviel Luft in den bisherigen Telekom-Preisen war".Otelo-Sprecher Christian Hoppe sagte, sein Unternehmen habe bereits vor einigen Wochen umfangreiche Preissenkungen für Februar angekündigt."Von den neuesten Meldungen der Telekom lassen wir uns nicht schocken."

Ab wann die neuen Telekomtarife gelten sollen, steht noch nicht fest.Telekom-Sprecher Stephan Althoff sagte, derzeit würden zwei Optionen geprüft.Entweder solle der günstige Nachttarif an Werktagen in der Zeit von 2 Uhr bis 5 Uhr von sechs Pfennig pro Minute auf den späten Abend ausgeweitet werden.Die Alternative sei ein "moderater Aufschlag" auf den monatlichen Grundpreis von knapp 25 DM und dafür den Billigtarif bereits am frühen Abend.Das Angebot solle für alle Kunden im Festnetz gelten.Die Telekom hoffe, daß die Regulierungsbehörde die Pläne im Interesse der Kunden so früh wie möglich genehmigen werde.Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte im ZDF, die Telekom habe "über Plan" Schulden zurückgezahlt und den Personalabbau vorangetrieben."Diese Vorteile der Kostenseite wollen wir an den Kunden weitergeben."

Die Telekom bereitet jetzt außerdem ein spezielles Angebot für Wiederverkäufer (Reseller) von Telekommunikationsleistungen vor, nachdem sie die Verträge für die Verbindungsentgelte zwischen verschiedenen Netzbetreibern zum Jahresende 1999 gekündigt hat.Die Reseller sollen höhere Entgelte bezahlen als die Netzbetreiber.Einen Vorschlag für die Entgelte hat die Telekom bei der Regulierungsbehörde eingereicht.Danach sollen die Reseller Rabatte von 15 bis 20 Prozent auf die Endpreise der Telekom erhalten.

Das Schleswiger Unternehmen Mobilcom kündigte an, unter der 01019-Vorwahl solle ab 1.Januar allen Bundesbürgern "die neue Dimension des Telefonierens" eröffnet werden.Wer die Option des kostenfreien Telefonierens für Ferngespräche bis zu einer Minute zwischen 19 und 24 Uhr nutzen wolle, müsse nur Namen, Adresse und Rufnummer angeben.Die bislang beispiellose Aktion von Mobilcom mit Gratisanrufen an den Feiertagen hatte unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.Die Zentralstelle zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs schickte Mobilcom eine Abmahnung.Ein Sprecher der Zentralstelle in Bad Homburg sagte: "Für den Verbraucher war nicht erkennbar genug, wann die kostenlose Telefoniermöglichkeit endete." Außerdem sei das "Verschenken einer Originaldienstleistung" nur in ganz bestimmten engen Grenzen möglich.Mit der Abmahnung sei eine "erschwingliche Gebühr" von 315,65 DM verbunden gewesen.Sollte Mobilcom die Beanstandungen nicht beheben, so habe die Zentralstelle als Wirtschaftsverband keine eigenen Zwangsmittel.Für einen solchen Fall gebe es die Möglichkeit einer Klage.Das neue Gratis-Angebot habe die Wettbewerbszentrale laut Mobilcom akzeptiert.

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