Wirtschaft : Der Sarotti-Mohr wandert in die Schweiz

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Lange war es nur ein Gerücht, das die Beteiligten immer wieder heftig dementierten: Das Kölner Traditionsunternehmen Stollwerck AG steht zum Verkauf. In den vergangenen Tagen brodelte die Gerüchteküche allerdings so heftig, dass sich der potenzielle Erwerber, die Schweizer Barry Callebaut AG, jetzt zu einer vierzeiligen Pressemeldung veranlasst sah. Der Züricher Kakao- und Schokoladenhersteller führe Gespräche über die Übernahme des Stollwerck-Konzerns, hieß es knapp.

Erste Gerüchte über einen Stollwerck-Verkauf kamen bereits auf, als der absolutistisch regierende Firmenchef Hans Imhoff vor rund eineinhalb Jahren erkrankte und klar wurde, dass er seine Nachfolge nicht geregelt hatte. Derzeit wird der Konzern von einem scheinbar orientierungslosen Vorstand gelenkt, zu dem auch Hans Imhoff Junior gehört. Er ist für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Kurz vor dem Jahresende 2001 kündigte die dreiköpfige Führungscrew dann an, einen "richtigen" Vorstandschef einzusetzen - den sie allerdings bis heute nicht präsentieren konnte. Auch über einen Einstieg der Deutschen Bank wurde in Branchenkreisen spekuliert.

Imhoff, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte, war zu seinen besten Zeiten ein lebhaftes Kölner Original, der die Hauptversammlungen der Stollwerck AG im Stile einer Karnevalssitzung zelebrierte. 1972 übernahm er die marode Stollwerck AG. Als deren Aufsichtsratschef leitete er auch das operative Geschäft. Imhoff erzielte mit Stollwerck (Sarotti, Sprengel, Alpia) im Jahr 2001 einen Umsatz von rund 750 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von etwa 66 Millionen Euro. Seinen treuen Aktionären lässt der Firmenpatriarch - sozusagen als Abschiedsgeschenk - neben einer Dividende von fünf Euro einen Bonus von 110 Euro je Stückaktie aus dem Verkauf des Osteuropageschäftes im letzten Jahr zukommen. Der Kölner Schokoladenhersteller hatte seine drei Tochtergesellschaften in Russland, Polen und Ungarn für satte 150 Millionen Euro an Kraft Foods Inc. verkauft.

In Branchekreisen gilt das Unternehmen als ein "Sammelsurium" von Schokoladenmarken, die mit einem veralteten Maschinenpark hergestellt werden. Die 300 Millionen Euro, die die Inhaberfamilie nach Insiderinformationen für einen rund 65-prozentigen Unternehmensanteil verlangt, könnte deshalb schon oberhalb der Schmerzgrenze für den letzten verblieben Interessenten, Barry Callebaut, liegen.

Stollwerck würde ausgezeichnet zu dem gut geführten Schweizer Kakao- und Industrieschokoladenhersteller passen, der als Zulieferer schon lange mit den Kölnern Geschäfte macht. Die vier bisherigen strategischen Geschäftsfelder des Schweizer Konzerns sind Kakaoherstellung, Industrieschokoladen, Schokoladenspezialitäten und seit kurzem auch Verbraucherprodukte. Langjähriger Konzernlenker war Klaus J. Jacobs, der einstige Bremer Kaffee-Unternehmer, der sich in den 80er Jahren bei dem Schweizer Unternehmen Suchard eingekauft hatte und dann in den 90ern Jacobs Suchard an Philip Morris abgab. Mittlerweile führt sein Sohn Christian Jacobs die Geschäfte im Verwaltungsrat.

Im Jahr 2001 konnte der Konzern die gesteckten Ziele erreichen. So wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 2,55 Milliarden Schweizer Franken und der Konzerngewinn um acht Prozent auf 97 Millionen Franken. Barry Callebaut beschäftigt weltweit 5000 Mitarbeiter. Mittelfristig will Callebaut ein jährliches Wachstum von bis zu fünf Prozent erzielen.

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