Wirtschaft : Der Schaumschläger

Henrik Mortsiefer

Das Testurteil: 0 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Die Frage des Milchschaums hat sich unter Kaffeetrinkern zu einem fast philosophischen Problem aufgetürmt. Früher tranken wir einfach einen Filterkaffee mit Büchsenmilch. Heute stehen wir ratlos an der Starbucks-Theke. Beim globalsten aller globalen Kaffeeröster wird wahlweise nicht nur Caffè Latte, Cappuccino, Caramel macchiato, Caffè Mocha, White Caffè Mocha, Caffè Americano, frisch gebrühter Kaffee, Espresso und Espresso con Panna ausgeschenkt. Zusätzlich können wir auch zwischen fettreduzierter Milch, Vollmilch, laktosefreier oder Sojamilch wählen. Und, klar, der Kaffee kann extra heiß, mit oder ohne Aroma, mit mehr oder weniger Kaffee, mit oder ohne Koffein, mit Zucker, Süßstoff oder Honig bestellt werden. Da fragt man sich, wie man jahrelang mit einer einfachen Kaffeemaschine überlebt hat.

Freilich, die sich ausbreitende Kaffeemanie weckt auch bei mir zu Hause Begehrlichkeiten. Filterkaffee mit Büchsenmilch ist Vergangenheit. Bei meinen Freunden trinke ich Espresso mit sämiger Crema aus sündhaft teuren Maschinen, die sie per Ratenkauf wie einen Kleinwagen abstottern. Auch die Milch wird bei Bedarf professionell mit Druckluft hochgeschäumt, dass es eine Freude ist. Immerhin, auch ich lasse morgens italienische Lebensfreude walten und einen schönen Espressokocher auf dem Gasherd schnorcheln. Cafeteria nennen meine Freunde die Kanne. Dazu gibt es heiße Milch aus dem Topf, geschlagen mit einem Miniquirl.

Als die Milch beim letzten Mal zur Neige ging, kam mir im Supermarkt die Firma Bärenmarke entgegen. Die kannte ich schon aus den Büchsenmilchtagen. Ganz zeitgemäß hat sich der Kondensmilchkonzern mit dem Alpenteddy etwas für die Cappuccinogeneration einfallen lassen: Milchschaum aus der Dose. Zum Preis von 1,49 Euro.

Um geschmacklichen Verirrungen gleich vorzubeugen: Das Experiment ist missglückt. Aus der Dose quillt nach kräftigem Schütteln keine luftige Schaumhaube, sondern ein fett-glänzender Berg. Der legt sich schwer auf den Kaffee und sieht nur auf den ersten Blick gut aus. Mit Kaffeegenuss hat das wenig zu tun. Der Dosenschaum schmeckt nach Magermilchpulver – und ist kalt. Zusammen mit dem heißen Kaffee, der die Milch nicht aufnimmt, sondern schwarz bleibt, ergibt sich ein bitter-lauwarmes Gebräu, das man nicht als Milchkaffee identifiziert.

Die Dose muss laut Hersteller nicht in den Kühlschrank, der Inhalt soll trotzdem mehrere Monate lang frisch bleiben. Die Stiftung Warentest fand bei einem Konkurrenzprodukt gleichwohl schon vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums Schimmel an der Düse. So weit habe ich es nicht kommen lassen. Der Schaumschläger schimmelt bei mir, wo er schimmeln darf – im Müll.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben