Wirtschaft : Der Schrumpfungsprozeß im Bankgewerbe geht weiter

ROLF OBERTREIS (MAIN)

FRANKFURT .Die Zahl der Banken und Bankfilialen in Deutschland wird nach Ansicht der Deutschen Bundesbank weiter schrumpfen."Der Strukturwandel in der Kreditwirtschaft hat sich 1997 fortgesetzt", schreibt die Notenbank in ihrem jüngsten Monatsbericht.Ende vergangenen Jahres wurden hierzulande noch 3408 Geldhäuser registriert, 100 weniger als ein Jahr zuvor.Die Zahl der Bankfilialen ging um 580 auf 43 430 zurück.Entscheidend für diese Entwicklung waren allerdings nicht Fusionen von größeren Instituten, sondern der Zusammenschluß kleinerer Ableger, vor allem bei den Genossenschaftsbanken.Hier ist nach Auffassung der Bundesbank auch in Zukunft aus Kostengründen der stärkste Rückgang zu erwarten.In den anderen Bankgruppen rechnet die Notenbank vor allem mit dem Zusammenschluß von Banktöchtern von Finanzkonzernen, um geographische oder produktbezogene Überschneidungen zu vermeiden.

Trotz des anhaltenden Schrumpfungsprozesses bei den Banken ist die Zahl der Mitarbeiter 1997 allerdings gestiegen.Ende 1997 waren in der Branche 728 600 Mitarbeiter beschäftigt, 1100 mehr als ein Jahr zuvor.Hauptverantwortlich dafür war der Auf- und Ausbau von Spezialbanken für private und gewerbliche Kunden im privaten Bankensektor.Dazu dürften Direktbanken ebenso zählen wie neue "Banking Shops" in Supermärkten.Gleichzeitig hat aber auch die Selbstbedienung bei den Banken und Sparkassen weiter an Bedeutung gewonnen.Die Zahl der aufgestellten Geldautomaten etwa kletterte bis Ende 1997 auf 41 400, rund 3800 mehr als Ende 1996.

Mit ihren Geschäftszahlen des vergangenen Jahres können die Banken nach Ansicht der Bundesbank zwar insgesamt zufrieden sein.Überragend aber waren die Ergebnisse wegen der guten Lage an den Wertpapiermärkten nur im Provisionsgeschäft und im Eigenhandel mit Wertpapieren, Devisen und Derivaten.Im zinsabhängigen Kredit- und Einlagengeschäft dagegen seien die Erträge, so die Bundesbank, bei anhaltend niedrigen Zinsen und einem verschärften Wettbewerb - selbst für Sichteinlagen zahlen viele Banken mittlerweile Zinsen - unter Druck geraten.Der Zinsüberschuß war gemessen am Geschäftsvolumen so niedrig wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.Er stieg 1997 um knapp drei Prozent auf 144,5 Mrd.DM.Dagegen kletterte der Provisionsüberschuß für Gebühren und Leistungen im Wertpapiergeschäft um 17 Prozent auf 34 Mrd.DM.Der Gewinn im Eigenhandel erhöhte sich sogar um 24 Prozent auf 5,3 Mrd.DM, den zweitbesten Wert nach 1993.

Die Vorsorge für wackelige Kredite mußten die Banken und Sparkassen 1997 netto um knapp 2,7 Mrd.DM auf 24,7 Mrd.DM aufstocken.Ausschlaggebend dafür war nach Angaben der Bundesbank die schwierige Wirtschaftslage in Ostdeutschland und in der Bauwirtschaft allgemein sowie die Finanzkrise in Südostasien.Auf die relativ großen Engagements der deutschen Banken in dieser Region seien höhere Wertberichtigungen erforderlich gewesen.1997 legten die Großbanken deshalb am meisten zurück: Sie verdoppeln ihre Risikovorsorge auf insgesamt 3,4 Mrd.DM.Allerdings konnten die Banken im Gegenzug Rückstellungen für andere Länder auflösen.Die Entwicklung in Asien könnte allerdings auch 1998 Spuren hinterlassen."Angesichts der wechselhaften Entwicklungen in manchen Regionen und Ländern ist die Angemessenheit der Risikovorsorge nicht einfach einzuschätzen.Weitere Belastungen künftiger Ertragsrechnungen der Banken sind jedenfalls nicht auszuschließen", schreibt die Bundesbank.

Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn der Banken und Sparkassen vor Steuern 1997 um drei Prozent auf knapp 40,4 Mrd.DM.Nach Angaben der Bundesbank war dies nur ein durchschnittlicher Zuwachs.Wegen geringerer Steuerzahlungen kletterte der Gewinn nach Steuern allerdings um acht Prozent auf gut 20,3 Mrd.DM.Bei den Großbanken reduzierte sich der Überschuß von 3,6 auf 2,8 Mrd.DM.Bei den Sparkassen gab es einen Rückgang von knapp vier auf 3,8 Mrd.DM und bei den Genossenschaftsbanken von 2,4 auf 2,3 Mrd.DM.Auslandsbanken, Privatbanken, Regionalbanken, Girozentralen und Banken mit Sonderaufgaben konnten dagegen nach Angaben der Bundesbank ihre Gewinne deutlich steigern.

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