Wirtschaft : Der Stuhl von Landesbankvorstand Morgenroth wackelt

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Die Tage von Bernd-Peter Morgenroth als Mitglied des Vorstandes der Landesbank Berlin (LBB) scheinen gezählt. Wie der Tagesspiegel aus Bankkreisen erfuhr, will der Aufsichtsrat der LBB, unter deren Dach auch die Investitionsbank Berlin (IBB) angesiedelt ist, auf seiner Sitzung in der kommenden Woche die außerordentliche Kündigung des Managers beschließen. Morgenroth werden dem Vernehmen nach insbesondere Verfehlungen beim Management des Gehag-Fonds 12 vorgeworfen. Mit dem Fonds wurde in ein Wohnhaus in Berlin-Buckow mit insgesamt 121 Wohnungen investiert, die nach dem 1. und 2. Förderungsweg im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus von der IBB gefördert werden.

Morgenroth war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, hatte aber bereits im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung reagiert und den Mitgliedern des Aufsichtsgremiums unter dem Datum vom 13. März 2002 eine "Gegendarstellung" zukommen lassen. Er widerspricht darin Aussagen aus einem Gutachten der Sonderprüfer Heuking / Kühn / Luer / Wojek. Die Prüfer hatten in ihrem Bericht bemängelt, die Baukosten für das Haus des Fonds seien viel zu hoch, und die LBB habe das Objekt später von der Gehag zu einem Kaufpreis übernommen, der oberhalb des Verkehrswertes des Gebäudes gelegen habe. Morgenroth schreibt wörtlich, die Prüfer hätten "ihn als Vorstand der Landesbank völlig zu Unrecht beschuldigt und massive Rufschädigung" betrieben. Die gesamten Baukosten beim Gehag-Fonds 12 seien nicht überhöht gewesen, sondern hätten dem Durchschnitt für den öffentlich geförderten Wohnungsbau im Jahr 1992 entsprochen. Der Verkehrswert des Gebäudes, betrage - ermittelt auf Basis des Ertragswertes - rund 40,9 Millionen Mark, der Kaufpreis habe mit 41,4 Millionen Mark nur geringfügig darüber gelegen. An einem Gespräch im September 1993 habe er lediglich als für das Fördergeschäft (der IBB) zuständige Vorstandsmitglied teilgenommen. In dem Gespräch sei es nicht um die Übernahme des Fonds 12 durch die LBB gegangen.

Während also bereits die nächsten Personalentscheidungen anstehen, bemüht sich der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses um Aufklärung der Bankenaffäre. Die Hoffnungen auf mögliche Regressforderungen gegen ehemalige Führungskräfte aus dem Konzern der Bankgesellschaft haben allerdings einen Dämpfer erhalten. So lassen sich die Ausführungen des Vorsitzenden des Ausschusses, Klaus Uwe Benneter (SPD), interpretieren. Der Ausschuss hörte am Freitag die zwei Rechtsanwälte, die im Auftrag der Bankgesellschaft die Untersuchungen innerhalb des Konzerns führen und Konsequenzen ziehen sollen. Beide Anwälte verstehen sich nach eigener Aussage als Schanier zur Staatsanwaltschaft. Benneter erklärte im Anschluss an die nicht öffentliche Sitzung vor der Presse, bisher habe die Bankgesellschaft noch keine einzige Klage auf Schadenersatz gegen ehemalige Führungsmitglieder eingereicht. Einer der gehörten Anwälte habe darauf hingewiesen, dass solche Ansprüche schwer durchsetzbar seien und Verjährungsfristen drohten. Die Pensionsrechte der Führungsmitglieder seien rechtlich außerordentlich stark gesichert.

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