• Der Wirtschaftsexperte Friedrich Schneider veröffentlicht die Schattenwirtschafts-Zahlen - wie bekommt er sie eigentlich heraus?

Wirtschaft : Der Wirtschaftsexperte Friedrich Schneider veröffentlicht die Schattenwirtschafts-Zahlen - wie bekommt er sie eigentlich heraus?

jhw

Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider gehört zu den wenigen Ökonomen, die seit Jahren über die Schattenwirtschaft forschen. Weil die Schwarzarbeit an den Behörden vorbeigeht, gibt es keinerlei offizielle Statistik über ihr Ausmaß. Deswegen müssen die Wissenschaftler schätzen. Dazu greifen sie auf offen verfügbare Daten zurück, um die Größe der Schattenwirtschaft näherungsweise zu bestimmen.

Bargeldnachfrage. Typisch für die Schattenwirtschaft ist, dass in ihr ausschließlich bar bezahlt wird. Denn ein Scheck hinterlässt Spuren, wird mikroverfilmt und sieben Jahre in der Bank aufbewahrt. Bares wechselt die Hände der Beteiligten, ohne dass jemand etwas nachzuweisen wäre. Ökonomen wie Schneider rechnen aus der Bargeldnachfrage alle Faktoren heraus, für die die Akteure in der offiziellen Wirtschaft Scheine und Münzen benötigen. Übrig bleibt das Geld der Schattenwirtschaft. Schneider und einige Kollegen haben in jahrelangen Berechnungen genügend Erfahrung gesammelt, um das Verfahren um mögliche Mängel zu bereinigen. Darüber hinaus prüfen sie die Plausibilität mit Hilfe von Angaben über die Steuer- und Abgabenlast.

Stromverbrauch. Ähnlich funktioniert die zweite wichtige Methode, mit der die Forscher das Ausmaß von Schwarzarbeit identifizieren. Dabei greifen sie auf Angaben zum Stromverbrauch zurück. Dahinter steht die Annahme, dass man für die meisten Tätigkeiten in der Schattenwirtschaft Elektrizität verbraucht - etwa in der Bauwirtschaft und im Handwerk. Zunächst berechnen die Wissenschaftler, wie viele Kilowattstunden die privaten Haushalte normalerweise verbrauchen müssten. Diese Zahl vergleichen sie dann mit dem tatsächlichen Konsum. Die Differenz der Vergleichsdaten rechnen sie mit Erfahrungswerten auf Zahlen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft um. Dieses Verfahren ist vor allem für die Staaten Mittel- und Osteuropas von Bedeutung, in denen man feststellte, dass der Stromverbrauch, gemessen an der offiziellen wirtschaftlichen Tätigkeit, ungewöhnlich hoch war.

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