Wirtschaft : Deutsche Bahn: Der Aufwärtstrend setzt sich fort

ek/brö

Die Deutsche Bahn AG hat ihren im Herbst begonnenen Aufwärtstrend im ersten Quartal dieses Jahres fortsetzen können und ist auch für das zweite Quartal optimistisch. Der Bahn-Vorstand wird am heutigen Dienstag dem Aufsichtsrat Zahlen präsentieren, die besser sind als die Vergleichswerte des Vorjahres und über den Erwartungen liegen. Wie das Handelsblatt aus Bahn-Kreisen erfuhr, erzielte die Bahn-Holding von Januar bis März 7,4 Milliarden Mark Umsatz, ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn 2000. Erwartungsgemäß gab es einen operativen Verlust von 76 Millionen Mark. Intern sei aber mit einem größeren Fehlbetrag gerechnet worden. Grund waren weiter wachsende Verkehrsleistungen. Die Bahn transportierte zwei Prozent mehr Personen und Fracht. Der Güterverkehr wuchs mit 2,6 Prozent wie zuvor schneller als der Personenverkehr (1,3 Prozent). Parallel dazu hat die Bahn die Erneuerung von Infrastruktur und Zügen vorangetrieben und im ersten Quartal 2,7 Milliarden Mark investiert. Seit Ende März 2000 sank die Zahl der Mitarbeiter um 14 000 auf 221 000 Beschäftigte. Im Nahverkehr droht der Bahn jedoch ein weiterer Verlust von Marktanteilen. Das Bundeskartellamt hält Kooperationen des Staatsbetriebs mit regionalen Verkehrsanbietern für rechtswidrig, sagte ein Sprecher der Behörde dem Tagesspiegel. Wird die Bahn wegen wettbewerbswidrigem Verhalten von Ausschreibungen um Nahverkehrsleistungen aber ausgeschlossen, bekommen Bahn-Konkurrenten statt dessen den Zuschlag. Anlass für den Konflikt zwischen Bahn und Kartellamt ist die Ausschreibung eines S-Bahn-Systems im Neckar-Raum. Dort bewirbt sich die Bahn mit den kommunalen Verkehrsbetrieben von Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg um den Betrieb, der 2003 starten soll. Kartellamts-Präsident Ulf Böge hatte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Montag aber Bedenken angemeldet. Eine solche Kooperation sei rechtswidrig, weil ein Mitglied der Gemeinschaft das Geschäft allein betreiben könnte.

Eine Bahn-Sprecherin sagte, man nehme die Bedenken ernst. Das Ziel sei, im Neckar-Raum einen integrierten, aufeinander abgestimmten Nahverkehr zu installieren. Deshalb wolle die Bahn sich dort beteiligen. Das Konsortium aus dem Neckar-Raum widersprach der Einschätzung des Kartellamts. Die Deutsche Bahn AG sei unverzichtbar, weil sie über gute Kontakte zur Bahnindustrie verfüge und Züge preiswert beschaffen könne, sagte ein Sprecher der MVV Verkehr AG in Mannheim dem Tagesspiegel.

Am Dienstagabend endet die Bewerbungsfrist um die Nahverkehrsleistungen in dem Gebiet um Kaiserslautern, Ludwigshafen, Mannheim und Karlsruhe. Weil hier Baden-Württemberg an Hessen und Rheinland-Pfalz grenzt, gab es bislang kaum grenzüberschreitenden Schienen-Nahverkehr. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine der ersten EU-weiten Ausschreibungen von Nahverkehrsleistungen; deshalb hat sie Signalcharakter. Sollte die Deutsche Bahn hier nicht zum Zuge kommen, geriete sie in diesem wichtigen Markt ins Hintertreffen.

Unterdessen ist über die Frage der Überwachung des Bahn-Wettbewerbs ein Streit zwischen dem Bundeskartellamt und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ausgebrochen. Das EBA war bislang nur für die Überwachung von Technik und Sicherheit im Bahnverkehr zuständig. Nach dem Willen von Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) soll es nun auch gewährleisten, dass die Bahn ihre Wettbewerber beim Zugang zum Schienennetz nicht diskriminiert. So soll mehr Konkurrenz entstehen. Kartellamtspräsident Ulf Böge sieht seine Behörde aber weiterhin dazu in der Lage, den Wettbewerb zu beaufsichtigen. Er warnte vor parallelen Strukturen in Kartellamt und EBA, wie sie das neue Eisenbahn-Gesetz vorsieht. Dies bringe einen erhöhten Verwaltungsaufwand mit sich. Horst Stuchly, Präsident des EBA, ist hingegen der Ansicht, sein Amt werde eine schlagkräftige Truppe zur Überwachung des Wettbewerbs bilden. Die Möglichkeit des EBA, hohe Strafen gegen die Bahn zu verhängen, wenn diese Wettbewerber diskriminiere, wirke abschreckend, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Allerdings könne das EBA nicht gegen ungerechte Bahn-Tarife für die Trassennutzung vorgehen. Dies könne nur das Kartellamt.

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