Wirtschaft : Deutsche Bahn: Die Sanierung kommt voran

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Die Deutsche Bahn AG hat im ersten Halbjahr 2001 Passagierzahlen, Frachtraten und Umsatz steigern können, befürchtet aber für das Gesamtjahr weiterhin rote Zahlen. Grund seien die konjunkturelle Lage und die hohen Investitionen in moderneres Material, teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. Eine Entscheidung über die Trennung von Betrieb und Schienennetz sei indes noch nicht gefallen, hieß es aus dem Bundesverkehrsministerium.

Die wichtigste Konzerngröße, das Betriebsergebnis nach Zinsen, stieg auf 66 (Vorjahr: 20) Millionen Euro. Damit hat die Bahn ihre eigenen Erwartungen übertroffen. In den ersten drei Monaten hatte man noch einen Verlust von knapp 40 Millionen Euro eingefahren. Der Umsatz im Halbjahr lag mit 7,664 Milliarden Euro rund 2,7 Prozent höher als im Vorjahr. Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn führte die Ergebnisse auf Effizienzverbesserungen im Rahmen des Sanierungsprogramms "Fokus" zurück. "Unsere Maßnahmen beginnen zu greifen, die ersten Ergebnisse sind sehr erfreulich", erklärte er. Im Unternehmensbereich Personenverkehr habe die Verkehrsleistung um 1,8 Prozent auf 35,887 Milliarden Personenkilometer zugenommen. Im Güterverkehr, also im Unternehmensbereich DB Cargo, sei die Verkehrsleistung trotz der Konjunkturschwäche um 0,4 Prozent auf 39,777 Milliarden Tonnenkilometer geklettert.

Im zweiten Halbjahr werde das Ergebnis aber deutlich negativ sein, hieß es. So habe es im vergangenen Jahr wegen der Weltausstellung Expo in Hannover mehr Bahnverkehr gegeben. Ferner sei der Güterverkehr von der konjunkturellen Eintrübung betroffen. Ein weiterer Grund für ein hohes Defizit seien die hohen Investitionen, die für das zweite Halbjahr geplant seien. Da die Investitionszusagen des Bundes erst im März erfolgt seien, habe man im ersten Halbjahr Modernisierungen noch nicht in diesem Maße in Angriff nehmen können. Die Bahn wies zudem darauf hin, dass man für die Neubaustrecke München-Ingolstadt-Nürnberg eventuell zusätzliche Rückstellungen bilden werden. Aufgrund der hohen Investitionen in Bahnhöfe, Lokomotiven, Waggons und Schienen in den nächsten Jahren hatte die Bahn bereits erklärt, sie rechne erst ab 2005 wieder mit schwarzen Zahlen. Schon im Herbst kommenden Jahres soll aber das neue Fahrpreissystem weiteren Auftrieb und höhere Fahrgastzahlen bringen. "Die Verbesserung unserer Wirtschaftlichkeit ist und bleibt das oberste Gebot für alle Bereiche", sagte Mehdorn.

Im Herbst Entscheidung über Netz

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen immer mehr, dass die Deutsche Bahn AG die Zuständigkeit für das Schienennetz behalten wird. Dafür wird sie wohl eine Regulierungsbehörde akzeptieren müssen, die den Zugang zu den Trassen sowie die Festlegung der Trassenpreise für private Wettbewerber kontrolliert. Einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Montag bestätigte das Bundesverkehrsministerium zwar nicht und nannte ihn "Spekulation". Eine Entscheidung über die Zukunft des Netzes werde es erst im Herbst geben. Fachleute halten jedoch einen Kompromiss für wahrscheinlich. Dies dürfte eine organisatorische Trennung von Netz und Betrieb innerhalb der Bahn-Holding bedeuten. Außerdem wird vermutlich das Eisenbahnbundesamt, das bislang nur die Sicherheit im Bahnverkehr überwacht, den Wettbewerb auf der Schiene regulieren. Das wäre eine Niederlage für das Bundeskartellamt, das bislang darauf bestanden hatte, oberster Regulierer in Wettbewerbsfragen zu bleiben. Der frühere nordrheinwestfälische Verkehrsminister Franz-Josef Kniola (SPD), der Leiter der Arbeitsgruppe, arbeitet nun an einem Kompromisspapier.

Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) hatte im Frühjahr zunächst für eine größere Unabhängigkeit des Netzes und dessen Überführung in eine eigene Bundesgesellschaft plädiert. Damit sollte Konkurrenten der Bahn ein diskriminierungsfreier Zugang gesichert und der Wettbewerb auf der Schiene belebt werden. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn dringt dagegen darauf, Bahn und Schiene nicht zu trennen.

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