Wirtschaft : Deutsche Bahn: Kunden sollen maximal fünf Minuten warten müssen

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Die Deutsche Bahn will in 30 großen Bahnhöfen - darunter auch Berlin Zoo und Berlin Ostbahnhof - mit mehr Personal den Ticketverkauf beschleunigen. "Unser Ziel ist es, die Kunden nicht länger als als fünf Minuten am Schalter warten zu lassen", sagte Vertriebschef Jürgen Büchy am Montag in Frankfurt. Zu den derzeit rund 1500 Verkäufern in den am meisten genutzten Reisezentren sollen 223 zusätzlich hinzu kommen. Dafür würden überwiegend Auszubildende übernommen, die im Februar ihre Lehre beenden, hieß es. Zur Schnelligkeit beim Fahrkartenkauf sollen außerdem die bundesweit mittlerweile 9000 Ticketautomaten beitragen.

Transnet kritisiert Personalpolitik

Die Bahngewerkschaft Transnet sorgt sich unterdessen weiter um den allgemein geplanten Personalabbau bei der Bahn. Die Rückzugskonzepte im Personen- und Güterverkehr, mit denen Bahnvorstand Hartmut Mehdorn auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Deutschen Bahn AG reagiere, seien der falsche Weg zum Erhalt des Unternehmens, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen am Montag beim ersten von 13 geplanten regionalen Bahngipfeln in Magdeburg.

Mit Hilfe dieser Bahngipfel will die Eisenbahner-Gewerkschaft regionale und kommunale Politiker, Wirtschaftsvertreter und Verbände in die "Allianz pro Schiene" einbinden. Mit den Gipfeln sowie weiteren Aktionen seiner Gewerkschaft strebt Hansen eine Neuausrichtung der deutschen Verkehrspolitik in Richtung einer nachhaltigen Mobilität an. "Die Frage lautet nicht Bahn oder Auto, sondern, wie wir auch künftig mobil bleiben können", sagte Hansen zur Eröffnung der Veranstaltung und verwies auf Berechnungen der Bundesregierung, die in den kommenden 15 Jahren einen Zuwachs des Personenverkehrs um 20 Prozent und des Güterverkehrs sogar um 64 Prozent prognostiziert habe. Bleibe es bei den derzeitigen Anteilen der Verkehrsträger mit der Dominanz von Pkw und Lkw, sei der Verkehrskollaps in Deutschland programmiert.

Der Gewerkschaftschef wirft dem Bahnvorstand vor, mit seinen Rückzugskonzepten im Personen- und Güterverkehr einseitig und zudem völlig falsch auf den betriebswirtschaftlichen Kostendruck zu reagieren, der auf der DB lastet. "Wir brauchen statt dessen offensive Konzepte, um wieder mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen", forderte er und erinnerte an die Anfang der 90er Jahre erteilten Zusagen der damaligen Bundesregierung, der Bahn jährlich 9,7 Milliarden Mark für Investitionen in die Erhaltung des Schienennetzes zu zahlen. "Diese Zusage ist nur 1994 wirklich eingehalten worden", so Hansen. "Allein die Kohl-Regierung hat bis zur Abwahl 17 Milliarden Mark an zugesagten Investitions-Zuweisungen zurück gehalten."

Von der amtierenden Bundesregierung forderte Hansen eine Unterstützung der Bahn. "Wir brauchen Rahmenbedingungen mit gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsträger." Wenn dies nicht geschehe, müsse mit der Stilllegung zahlreicher weiterer Strecken, mit der deutlichen Ausdünnung des Güterverkehrsangebotes sowie mit der Streichung von weiteren Zugangeboten im Personenverkehr schon in allernächster Zeit gerechnet werden. Unterstützung für sein Anliegen fand der Transnet-Chef unter anderem bei Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Jürgen Heyer. Der forderte von der Bundesregierung, die Pläne zum Börsengang der DB endgültig zu den Akten zu legen. "Der Reinvestitionsbedarf in die Infrastruktur und Fahrzeuge ist bei der Bahn dauerhaft so hoch, dass eine Bahn, welche die öffentlichen Mobilitätsbedürfnisse dauerhaft befriedigen soll, per se nicht Gewinn bringend betrieben werden kann", sagte Heyer. Der Bahnvorstand orientiere sich nach der Umwandlung in eine AG naturgemäß an seinen aktienrechtlichen Verpflichtungen und sei politischen Zielvorgaben nicht mehr zugänglich.

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