Deutsche Bahn : Probleme bei der Bahn ziehen sich hin

Konzernchef Rüdiger Grube macht die Industrie für die Probleme bei der Bahn verantwortlich. Verkehrsminister Peter Ramsauer schließt sich dem an. Bis vor kurzem hatte er die Bahn kritisiert.

Voller Zug
So könnte es noch eine Weile auf deutschen Bahnhöfen aussehen. -Foto: ddp

BerlinBerlin - Bahnchef Rüdiger Grube hat erneut die Bahnindustrie für die aktuellen Probleme im Schienenverkehr verantwortlich gemacht. Die Hersteller hätten nicht die Qualität geliefert, die die Bahn eingekauft habe. Derzeit müssten alle Radachsen und Radscheiben ausgewechselt werden, sagte Grube am Sonntag im Deutschlandfunk. „Das ist ein Prozess, der sich weit in das Jahr 2011 hinziehen wird.“ Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will die Industrie für Winterschäden an ICE-Zügen haftbar machen.

Der „Bild am Sonntag“ sagte Ramsauer: „Ich erwarte von der Bahn, dass sie die Hersteller der ICE-Züge dazu verpflichtet, die in diesem Winter aufgetretenen Schwachstellen zu beseitigen.“ Es dürfe nicht sein, dass Pulverschnee durch Lüftungsschlitze eindringe und die Elektronik lahmlege. „Die Bahn kann dafür nichts, hat aber den finanziellen Schaden und die Imageprobleme“, sagte der CSU- Politiker. „Da hört für mich der Spaß auf. Deshalb sollten wir, wo immer das möglich ist, die Industrie haftbar machen.“ Ramsauer kritisierte aber die übertriebene Sparsamkeit bei der Bahn: „Ein Unternehmen wie die Bahn kann nicht nur nach knallharten betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden.“ Die Bahn habe auch einen Auftrag für das Gemeinwohl. „Wenn man, wie in der Vergangenheit, die Bahn sozusagen als Braut für den Börsengang so ausstaffiert, dass die Zuverlässigkeit darunter leidet, dann läuft etwas falsch“, sagte der Minister. Das schade auf Dauer auch wirtschaftlich. „Wir wollen unsere Bahntechnologie ja auch in Länder mit plus 30 oder mit minus 30 Grad verkaufen.“

Bahn-Chef Grube bestritt hingegen einen Zusammenhang zwischen den massiven Problemen bei der Bahn und dem gescheiterten Börsengang. Eine Teilprivatisierung bleibe allerdings eine Option, auch wenn sie derzeit nicht auf der Agenda stehe. Der Bahnchef räumte ein, dass die Bahn angesichts der vielen Verspätungen und Zugausfälle einen Imageschaden erlitten habe. Er schloss dennoch weitere Preisanhebungen in diesem Jahr nicht aus. „Das schauen wir uns im Herbst an, wenn wir vor dieser Entscheidung stehen.“

Nach einem Bericht des „Spiegel“ wird es wegen eines Wartungsstaus voraussichtlich bis ins Frühjahr hinein Einschränkungen bei den ICE-Zügen geben. Wie ein Bahnsprecher bestätigte, gebe es in den Werkstätten einen Rückstau, der abgearbeitet werden müsse. Dies dürfte sich einige Wochen über die derzeitige Kälteperiode hinaus hinziehen. Schnee und Eis machen der Bahn derzeit schwer zu schaffen. So gebe es Probleme mit dem sogenannten Schotterflug. Dabei würden die Fahrzeuge beschädigt, weil Eisklumpen während der Fahrt von den Zügen abfallen und den Schotter im Gleisbett gegen den Unterboden schleudern.

Verbraucherschützer kritisieren die Bahn wegen milliardenteurer Großprojekte wie Stuttgart 21. „Es gibt eine Reihe von Prestigeprojekten, die unendlich viel Geld kosten und wo man sich fragen muss: Ist das Geld da gut angelegt?“, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. dpa

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