Wirtschaft : Deutsche Bahn will Stinnes kaufen

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Berlin (brö). Die Deutsche Bahn AG will den Logistik-Konzern Stinnes AG komplett übernehmen. Dem Aufsichtsrat des Staatsunternehmens sollen Anfang nächster Woche Details über dieses Vorhaben vorgelegt werden, wie der Tagesspiegel aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr. Eine Entscheidung des Gremiums soll es dann am kommenden Mittwoch geben. Unklar ist noch der Preis für die Übernahme der Stinnes AG, die zu 65,4 Prozent zum Energiekonzern Eon gehört. Der Rest der Aktien befindet sich im Streubesitz. Experten halten einen Preis von 30 bis 35 Euro je Aktie für ein faires Angebot.

Offiziell wollte keines der beteiligten Unternehmen den Verkauf der Stinnes AG bestätigen. Unternehmenskreisen zufolge werden zwischen den Partnern noch einige Details verhandelt. Bekannt ist indes seit längerem, dass sich die Stinnes-Muttergesellschaft Eon auf ihr Kerngeschäft Energie konzentrieren und sich von den übrigen Sparten trennen will. Die Deutsche Bahn AG wiederum hatte bereits vor mehreren Wochen ihr Interesse an der Stinnes-Sparte Schenker mit Sitz in Essen bekundet. „Das wäre ein strategischer Fit“, hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn damals gesagt.

Der Grund: Die Bahn hat seit Jahren große Probleme bei ihrer Güterverkehrs-Sparte DB Cargo und schafft es nicht, der Straße Marktanteile beim Transport streitig zu machen. Unternehmen werfen der Bahn vor, Waren nicht so schnell transportieren zu können, wie es moderne Produktionsprozesse in der Wirtschaft erfordern. Mit einem flexiblen Logistik-Unternehmen unter dem Konzerndach könnte die Bahn zudem Straße und Schiene besser miteinander vernetzen und auch bei grenzüberschreitenden Transporten wieder mitmischen. Derzeit ist die Zusammenarbeit der Schienen-Unternehmen über die europäischen Grenzen hinweg noch oft problematisch.

Stinnes gehört zusammen mit Schenker zu den führenden Verkehrs-Logistikern in Europa und war bereits bis Anfang der 90er Jahre Teil der damaligen Bundesbahn. Die zweite Säule des Unternehmens ist das Chemie-Geschäft. Diese Sparte wird die Deutsche Bahn im Falle einer Übernahme allerdings ausgliedern, erwarten Fachleute. Das Gleiche gilt für den Stahlbereich, allerdings dürfte ein Verkauf wegen der schlechten Stahlkonjunktur schwierig werden. Stinnes ist nach eigenen Angaben an 1300 Standorten in mehr als 100 Ländern vertreten und betreut weltweit rund 250 000 Kunden. Im vergangenen Jahr erzielte Stinnes mit knapp 43 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 12,3 Milliarden Euro. Die Deutsche Bahn AG erreichte mit 214 000 Beschäftigten einen Umsatz von 15,7 Milliarden Euro.

Sollte die Bahn die Stinnes-Aktien zu einem Preis zwischen 30 und 35 Euro übernehmen, halten Experten dies für ein angemessenes Angebot. „Diese Preisspanne überrascht nicht und ist fair“, sagte Rolf Geck, Analyst bei der WGZ-Bank. Würde die Bahn den Eon-Anteil an Stinnes vollständig übernehmen, hätte die Transaktion somit ein Volumen von 1,49 bis 1,74 Milliarden Euro. Die Stinnes-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Übernahmegerüchte um bis zu zehn Prozent zugelegt. Am Freitag stand sie nach Gewinnmitnahmen leicht unter Druck und verlor bis zum Nachmittag 0,85 Prozent auf 29,25 Euro.

Der Stinnes-Eigentümer Eon wäre mit dem Stinnes-Verkauf seinem Ziel, sich von Geschäftsbereichen zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, ein großes Stück näher gekommen. Einzig Viterra stünde dann noch zur Disposition.

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