Deutsche Bank : Altlasten verursachen massiven Gewinneinbruch

Drohende Strafzahlungen in zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen belasten die Deutsche Bank. Der Gewinn bricht um mehr als 90 Prozent ein. Auf dem Weg zum angekündigten Kulturwandel wollen sich Jain und Fitschen aber nicht bremsen lassen.

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Blick zurück. Die Vergangenheit der Deutschen Bank beschäftigt die Co-Chefs Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen.
Blick zurück. Die Vergangenheit der Deutschen Bank beschäftigt die Co-Chefs Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen.Foto: REUTERS

Anshu Jain und Jürgen Fitschen gaben sich am Dienstag unbeeindruckt: „Wir kommen Schritt für Schritt auf unserem auf drei Jahre angelegten Weg voran, eine Weltklasse-Bank zu bauen“, sagte Jain, Co-Chef der Deutschen Bank. Die Geschäftszahlen für das dritte Quartal, die die größte deutsche Bank gleichzeitig präsentierte, waren jedoch alles andere als Weltklasse.

Vor und nach Steuern ist der Gewinn um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Die Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen belasten den Deutschen Marktführer schwer. Jain und Fitschen räumten außerdem die anhaltenden Probleme und die schwierige Lage im Investmentbanking ein, jenem Geschäftsfeld also, für das Jain lange verantwortlich war und das der Deutschen Bank früher hohe Gewinne beschert hatte. „Nur Kostensenkungen haben der Deutschen Bank noch zu einer schwarzen Null verholfen“, schrieben die Analysten von Goldman Sachs, die die Aktie weiter zum Verkauf empfehlen. Das Papier war einer der größten Verlierer im Dax.

Juristische Altlasten dominieren das Bild

Jain und Fitschen versuchten, den Markt mit Fortschritten zu trösten, etwa beim Abbau von Risikopositionen und bei den geplanten Kosteneinsparungen. In der Vermögensverwaltung habe man sogar eines der stärksten Quartale überhaupt erreicht, sagte Jain in einer Telefonkonferenz.

Doch die juristischen Altlasten, die in die Amtszeit von Josef Ackermann und in die Zeiten vor Ausbruch der Finanzkrise zurückreichen, dominieren das Bild. Ähnlich wie die großen Wettbewerber aus den USA (JP Morgan) und der Schweiz (UBS), die bereits Strafen in zweistelliger Milliarden-Höhe zahlen mussten, muss sich auch die Deutsche Bank auf entsprechende Belastungen einstellen. Insbesondere bei Streitfällen in den USA und in Großbritannien „können wir den Ausgang nicht abschätzen“, räumen Jain und Fitschen ein. Der Konzern schätzt mögliche zukünftige Verluste, für die noch keine Vorsorge getroffen sei, per Ende Juni 2013 auf 1,3 Milliarden Euro. Auf sieben Seiten werden im Zwischenbericht die diversen Klagen und Prozesse erläutert – angefangen vom Kirch-Prozess über den Libor-Skandal, manipulierte Interbanken-Zinsen der Bank über Kreditderivate und US-Hypothekenpapiere. Der Fall Libor könnte „die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen“.

Langfristige Veränderungen

Auf ihrem Weg zum angekündigten Kulturwandel in der Bank wollen sich die beiden Banker durch die juristischen Probleme nicht bremsen lassen. Der Wandel sei wesentlicher Bestandteil ihrer Strategie. Es gehe um langfristige, tiefgreifende kulturelle Veränderungen. Der Weg bis zur Neuaufstellung der Bank erfordere aber Geduld, sagte Jain.

Auch im eigentlichen Bankgeschäft läuft es für das Institut derzeit nicht rund. Allein im Geschäft mit vermögenden Kunden konnte der Vorsteuergewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 113 Millionen auf 283 Millionen Euro gesteigert werden. Dagegen brach der Gewinn im Investmentbanking um fast 750 Millionen auf nur noch 345 Millionen Euro ein. Grund sei die Unsicherheit an den Finanzmärkten und mangelnde Liquidität gewesen, heißt es. Auch im Privatkundengeschäft ging es wegen der niedrigen Zinsen und der Zurückhaltung der Anleger um 60 Millionen auf 347 Millionen Euro zurück.

Dagegen ist die Bank bei ihren geplanten Einsparungen auf Kurs. 1,1 Milliarden Euro der für 2013 geplanten 1,2 Milliarden Euro seien bereits realisiert, wobei dies auch zu Lasten der Beschäftigten ging. Ende September zählte die Bank weltweit knapp 98 700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, rund 1900 weniger als ein Jahr zuvor.

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