Wirtschaft : Deutsche Bank-Chef Breuer erwartet weiter starke Veränderungen in den nächsten fünf Jahren

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Die Bankenlandschaft wird sich in den nächsten fünf Jahren mindestens noch einmal so stark verändern wie in den vergangenen fünf Jahren. Davon ist Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer überzeugt. Dabei werden sich die Banken zunehmend mit der Konkurrenz von banknahen Unternehmen oder von Nicht-Banken etwa aus dem Softwarebereich auseinandersetzen müssen, betonte Breuer auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. Die oft als wichtiger Spieler eingestufte Allianz- Versicherung hat dabei allerdings nicht den Anspruch, eine entscheidende Rolle bei der Neuordnung des Bankensektors zu spielen, wie Vorstandssprecher Henning Schulte-Noelle betonte. Die Banken müssten die richtigen Lösungen selbst finden.

Die Allianz wird sich nach den Worten Schulte-Noelles auch in Zukunft auf das Kerngeschäft Versicherungen und Vermögensverwaltung konzentrieren. "Mit dieser Beschränkung haben wir kein Problem." Der Allianz-Chef ist sich auch sicher, dass eine weltweit angelegte Allfinanz-Strategie mit Bank- und Versicherungsdienstleistungen unter einem Dach auf Dauer nicht von Erfolg begleitet wäre. "Wer alles für jeden sein will, könnte damit enden, dass er nichts für niemanden ist." Die Allianz werde sich deshalb auf die Felder konzentrieren, "von denen wir etwas verstehen". Schulte-Noelle betonte aber, dass der Versicherungskonzern im Vertrieb durchaus offen sei für Kooperationen auch mit Banken.

Ob dies auch die Deutsche Bank sein könnte, ließen sowohl der Allianz-Manager als auch Deutsche Bank-Vorstandssprecher Breuer auf der Tagung offen. Für den Banker allerdings ist klar, dass der Vertrieb eine ganz entscheidende Größe für die künftigen Gewinne der Kreditinstitute ist. "Deswegen ist Allfinanz für uns so wichtig." Breuer sieht auch Versicherungen in Zukunft als mögliche Kooperationspartner. Vor allem unter Vertriebsaspekten könnten auch Fusionen "sehr hilfreich" sein. Zu Gerüchten etwa über ein mögliches Zusammengehen mit der Dresdner Bank äußerte sich Breuer nicht. Die Informationstechnologie und die Geschäftsabwicklung per Computer und Internet ("e-commerce") betrachtet Breuer für die nächsten Jahre als größte Herausforderung für die Banken. Dadurch fänden immer mehr Nicht-Banken und banknahe Unternehmen Zugang zum Bankgeschäft. Sie hätten vor allem die Bereiche im Auge, die besonders renditeträchtig seien. Breuer verwies dabei auf Microsoft-Chef Bill Gates, der einmal gesagt hat: "Banking ist wichtig, Banken nicht." Dies sei eine Kampfansage an traditionelle Kreditinstitute. Die europäischen Banken haben in diesem verschärften Wettbewerb in den letzten zehn Jahren an Boden verloren. Auch die Deutsche Bank, räumt Breuer ein. Gemessen am Börsenwert stand sie vor zehn Jahren weltweit an der Spitze, heute liegt sie hinter englischen und amerikanischen Häusern nur noch im Mittelfeld. Grund sei unter anderem ihre Abhängigkeit von Geschäften, deren Erträge stark schwanken, und die immer noch viel zu hohen Kosten. Bei den Kosten allerdings habe die Deutsche Bank in Deutschland alle Möglichkeiten ausgeschöpft. "Das Maß dessen was wir abspecken können, ist erreicht." Deutschland sei eben ein Hochkostenland. Zugleich gebe es immer noch zu viele Banken und zu viele Filialen.

Die Antwort auf die Wettbewerbssituation kann nach Ansicht von Breuer nur eine Spezialisierung sein. Deswegen habe sich die Deutsche Bank für die Aufteilung der einzelnen Bereiche in eigenständige Geldhäuser entschieden, über der eine so genannte "virtuelle" Holding steht, die die Grundausrichtung bestimmt. Der jüngste Schritt in diese Richtung war die Ausgliederung des Filial- und Direktbankgeschäftes in die Deutsche Bank 24. Mit der Aufteilung in Spezialbanken können nach Ansicht von Breuer viele Bankdienstleistungen standardisiert und damit kostengünstiger angeboten werden. Trotz dieser Spezialisierung ist Größe für Breuer immer noch ein entscheidender Faktor. Wenn eine Bank weltweit vorne mitspielen wolle, könne sie dies nur mit Größe erreichen. Nur dann könne sie bei den ganz großen Geschäften mitmischen.

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