Wirtschaft : Deutsche Bank: Die Bank macht sich teuer

Rolf Obertreis

Über 90 000 Mitarbeiter weltweit, regelmäßige Milliardengewinne: Ein solches Unternehmen soll ein Übernahmekandidat sein? Für den Kunden am Schalter und den Kleinaktionär mag dies eine abwegige Überlegung sein, in der Realität allerdings liegt die Gefahr auf der Hand. Aus einem einfachen Grund: Die Deutsche Bank ist derzeit vergleichsweise billig zu haben, ihr Börsenwert ist zu niedrig.

Rund 44 Milliarden Euro sind zwar vordergründig eine stolze Summe. Auf dem Kapitalmarkt und vor allem mit Blick auf die Konkurrenten sieht die Sache jedoch anders aus. Die schweizerische UBS kommt auf einen Börsenwert von 56 Milliarden Euro, die US-Citigroup gar auf 204 Milliarden Euro. Selbst wenn ein Käufer die übliche Prämie von 25 Prozent zahlen würde, wäre die größte europäische Bank derzeit für günstige 55 Milliarden Euro zu haben. Der Käufer könnte sich das Beste herauspicken, den Rest verkaufen. Mit anderen Worten: die Deutsche Bank zerschlagen. Das wäre nicht nur eine Katastrophe für das traditionsreiche Unternehmen selbst, es wäre ein Tiefschlag für die Republik und den Finanzplatz Deutschland. Der künftige Vorstandssprecher Josef Ackermann kann deshalb nur ein Ziel haben: Den Börsenwert der Bank schnell und deutlich erhöhen. 100 Milliarden Euro peilt er an. Das geht nur, wenn das Geldhaus mehr Gewinn abwirft. Die Erträge müssen hoch, die Kosten runter. Unrentable Geschäfte werden abgestoßen oder gebündelt - weshalb die Deutsche Bank 24 wieder verschwindet -, gewinnträchtige ausgebaut. Die Strategie ist so eingängig wie schwierig. Dem noch amtierenden Vorstandssprecher Rolf Breuer stellen die Umbaupläne kein gutes Zeugnis aus. Ein Schweizer muss die Deutsche Bank wieder auf Kurs bringen. Und ihre Eigenständigkeit sichern.

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