Deutsche Bank : Fusion kommt nicht in Frage

Die erfolgsverwöhnte Deutsche Bank fühlt sich stark genug, dem Fusionsdruck der Branche in Europa zu widerstehen. Ackermann bekräftigte: "Wir sind in allen unseren Kernbereichen in der Lage, aus eigener Kraft weiter zu wachsen".

Frankfurt/Main - Ackermann schloss zwar gezielte Zukäufe nicht aus, betonte jedoch, größere Akquisitionen oder Fusionen stünden für den Dax-Konzern "derzeit nicht im Vordergrund". In Italien hatten am Sonntag UniCredit und Capitalia ihr Zusammengehen verkündet, in den Niederlanden läuft ein Übernahmekampf um die Großbank ABN Amro.

"Wir sind von der Richtigkeit dieser Strategie überzeugt. Daran ändern auch aktuelle Konsolidierungsbemühungen auf europäischer Ebene nichts, selbst wenn sich dadurch die Wettbewerbslandschaft verändern wird", sagte Ackermann. Die Deutsche Bank werde bei Zukäufen "nur richtig gute Gelegenheiten" nutzen. Zuletzt hatte der deutsche Branchenprimus die vergleichsweise kleine Berliner Bank und die auf Konsumentenkredite spezialisierte Norisbank gekauft.

Prozesslawine von Leo Kirch

Weite Teile der Hauptversammlung wurden wie in den Vorjahren vom Dauerstreit mit dem Ex-Medienunternehmer Leo Kirch bestimmt. Mehrere Vertreter aus dem Kirch-Lager kritisierten die Wahl von Ex-Finanzvorstand Clemens Börsig an die Spitze des Aufsichtsrates 2006. Das Frankfurter Landgericht hatte Börsigs Wahl für nichtig erklärt. Die Bank legte umgehend Berufung ein, setzte aber vorsorglich eine Bestätigung der Wahl auf die Tagesordnung.

Ackermann betonte, die Deutsche Bank habe bei der Kreditvergabe an die Kirch-Gruppe "rechtmäßig und pflichtgemäß gehandelt". Kirch macht die Bank und deren einstigen Vorstandschef Rolf-E. Breuer für den Zusammenbruch seines Medienimperiums mitverantwortlich, weil sich Breuer in einem Fernsehinterview kritisch zu Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert hatte. Der Medien-Unternehmer trat in der Folge eine Prozesslawine gegen Breuer und die Deutsche Bank los.

Optimismus nach Rekordjahr 2006

Ackermann zeigte sich optimistisch, das Institut nach dem Rekordjahr 2006 auf Erfolgskurs halten zu können: Für 2008 strebt die Deutsche Bank unverändert einen bereinigten Vorsteuerergewinn von 8,4 Milliarden Euro an. Im vergangenen Jahr waren knapp acht Milliarden Euro erreicht worden.

Aufsichtsratschef Börsig warb bei den Aktionären für eine Aufstockung der Aufsichtsratsvergütung. Die Anforderungen an die Kontrolleure seien in den vergangenen Jahren gestiegen, neue Gesetze erforderten mehr Vorbereitung. Die feste Vergütung der Aufsichtsräte soll von 30.000 auf 60.000 Euro pro Jahr verdoppelt werden. Zudem soll es für die Mitarbeit in einem Ausschuss bis zu 200 Prozent Zuschlag geben. In der vergangenen Woche hatten die Aktionäre der Commerzbank trotz Kritik eine kräftige Erhöhung der Aufsichtsratsvergütung beschlossen. (tso/dpa)

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