Wirtschaft : Deutsche Bank will jährlich 1,7 Mrd.DM sparen

FRANKFURT (MAIN) / BERLIN (ro/Tsp).Auch am Montag drehte sich das Karussell der Unternehmens-Zusammenschlüsse munter weiter.Die Aufsichtsräte von Deutscher Bank und Bankers Trust genehmigten die Übernahme des US-Instituts.In Essen begann die außerordentliche Hauptversammlung von Krupp-Hoesch, die über die Fusion mit Thyssen befindet.Am Dienstag geben Hoechst und Rhône-Poulenc Einzelheiten über ihre Allianz bekannt.

Die bislang teuerste Übernahme durch ein deutsches Unternehmen ist nahezu perfekt.Nach der Zustimmung der Aufsichtsgremien und der Unterzeichnung des Kaufvertrages zeigte sich Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer davon überzeugt, daß sich der mit insgesamt 17,1 Mrd.DM bislang teuerste Kauf in der Geschichte der Bank von Anfang an auszahle.Vom ersten Jahr an will die Deutsche Bank durch die Übernahme von Bankers Trust (BT) jährlich netto 1,7 Mrd.DM einsparen.Der Kauf sei eine "sehr rentable Akquisition", die Investition in BT solle 2001 eine Rendite vor Steuern von mindestens 26 Prozent abwerfen.Bereits im Jahr 2000 soll der Gewinn der Bank deutlich steigen.Allerdings wird die weltweit größte Bank 5500 der insgesamt knapp 96 500 Arbeitsplätze streichen - "aber nicht in der Bundesrepublik", sondern vor allem in London und New York.

Auch BT-Chef Frank Newman, der im Frühjahr in den Vorstand der Deutschen Bank rückt, ist sich sicher, daß beide Häuser einen "wahrhaft großen Schritt" getan hätten.Die Mitarbeiter seines Hauses seien begeistert.Dabei trifft der geplante Personalabbau vor allem die derzeit 20 500 Beschäftigten der US-Investmentbank.Spätestens im Mai, nach der Zustimmung der BT-Aktionäre und der Aufsichtsbehörden, soll der neue Finanzriese an die Arbeit gehen.

93 Dollar in bar zahlt die Deutsche Bank für jede BT-Aktie.Nach Angaben von Breuer kommt ein Kaufpreis von 17,1 Mrd.DM zustande.Dazu wird die Bank ihre Aktionäre um eine Kapitalspritze in Höhe von vier Mrd.DM bitten.Daneben sollen kleine Pakete der zahlreichen Industriebeteiligungen abgegeben werden.Details wollte Breuer nicht nennen."DaimlerChrysler-Papiere verkaufen wir aber nicht." Darüber hinaus will die Deutsche Bank alle Möglichkeiten des Kapitalmarktes nutzen.

Der Kaufpreis lasse im übrigen, glaubt Breuer, Raum für weitere Schritte."Die Expansion in Europa ist für uns nach wie vor angesagt.Das EWU-Europa bleibt unser Heimatmarkt und Fokus." Die Deutsche Bank wolle sich trotz der Übernahme von BT als Europa-Bank profilieren.An der Bilanzsumme von insgesamt 1,418 Billionen DM gemessen wird die Deutsche Bank mit BT zum größten Geldhaus der Welt.In der Vermögensverwaltung rückt sie mit einem Volumen von 1,169 Billionen DM an vierte Stelle - und damit, so Breuer, an eine "äußerst wettbewerbsfähige Position".Auch in der Wertpapierverwahrung steigt sie mit einem Volumen von 6,1 Billionen DM zur weltweiten Nummer vier auf.Im Investmentbanking - der Sparte, in der die Deutsche Bank in den USA lange nach einem Partner Ausschau gehalten hatte, - gewinne man mit BT wieder eine besondere Stärke vor allem in der Beratung von Technologiefirmen sowie im Gesundheits- und Mediensektor."Hiermit legen wir die Basis für den Ausbau einer globalen Kompetenz für Fusionen und Übernahmen, nach der die Deutsche Bank gesucht hat."

Breuer betonte, die Deutsche Bank habe nie die Fühler nach einer der großen Investmenthäuser wie J.P.Morgan ausgestreckt."Wir hätten eine solche Ehe nicht eingehen können, weil wir unsere Kultur hätten aufgeben müssen." Breuer hat dagegen keinen Zweifel, daß Deutsche Bank und BT gut zusammenwachsen: Die Deutsche Bank habe mittlerweile eine stabile internationale Kultur, die man jetzt nutzbringend anwenden könne.Unter dem Strich gebe der Zusammenschluß den beiden Partnern auf allen Ebenen neue strategische und operative Freiheiten.

Die gegen die Deutsche Bank in den USA eingeleiteten Klagen wegen Raubgoldes und unrechtmäßiger Aneignung jüdischen Eigentums werden den Deal nach Ansicht von Breuer nicht behindern.Er habe deshalb bereits mit den zuständigen US-Behörden gesprochen.Dabei habe er auf die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angeregte branchenübergreifende Regelung für Entschädigungen verwiesen.Die US-Behörden hätten sich damit zufrieden gezeigt.Bei der Fusion der beiden Schweizer Großbanken zur United Bank of Switzerland hatten die US-Behörden den Abschluß einer Vereinbarung über die Entschädigung der Nazi-Opfer zur Auflage für ihre Zustimmung gemacht.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben