Wirtschaft : Deutsche Post: Die AG wächst gegen den Konjunkturtrend

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Die Deutsche Post AG, Bonn, will sich in diesem Jahr nicht von der Konjunkturflaute aufhalten lassen. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel sagte bei der Präsentation der Halbjahreszahlen 2001 am Dienstag in Köln, er rechne damit, die Werte des Rekordjahres 2000 auch in diesem Jahr übertreffen zu können. "Gerade die Logistikbranche ist von dem derzeit schwächeren Wirtschaftswachstum weniger als viele andere Branchen betroffen", sagte Zumwinkel. So gehörte der Bereich Logistik - er umfasst Großtransporte samt der logistischen Dienstleistungen - bereits in den ersten sechs Monaten zu den Triebfedern des Umsatzwachstums. Die Erlöse dieser Sparte stiegen um 24 Prozent auf 4,67 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. "Unser Ziel ist es, die Deutsche Post in der Logistik zum Global Player Nummer eins auszubauen", sagte Zumwinkel.

Damit will sich das Unternehmen weiter von der Abhängigkeit des nationalen Briefgeschäftes lösen. Bereits jetzt erwirtschaften die Sparten Logistik und Express - er umfasst die Zustellung von Paketen, Päckchen beziehungsweise schnelle Kuriersendungen - 67 Prozent des Gesamtumsatzes. Das waren zwei Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Dementsprechend moderat entwickelte sich das Geschäft mit der Zustellung von Briefen. Es ist mit 5,8 Milliarden Euro Umsatz zwar noch das stärkste Standbein des Konzerns, legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum aber nur um 0,8 Prozent zu. Der Bereich Express wuchs um 8,6 Prozent auf über drei Milliarden Euro. Damit lagen die gesamten Konzernerlöse der Deutschen Post World Net bei 16,8 Milliarden Euro (plus 6,8 Prozent).

Zuwächse gab es auch beim Gewinn. So stieg das Konzern-Betriebsergebnis (Ebita) um 5,5 Prozent auf über 1,4 Milliarden Euro an. Dabei legten vor allem die Express-Dienste deutlich zu. Mit 114 Millionen Euro wurde der Vorjahreswert um über 500 Prozent übertroffen. Gründe hierfür seien höhere Durchschnittserlöse beim Deutschlandgeschäft und die weiterhin gute Ertrags- und Kostensituation im Geschäftsfeld Global Mail, dem grenzüberschreitenden Briefverkehr. Beim Gewinn machten sich vor allem Synergien aus den Zukäufen des vergangenen Jahres bemerkbar. Mit in die Sparte fällt auch der Expressdienstleister DHL, der als Zustellservice weltweit tätig ist. Die Post hält derzeit rund 46 Prozent an dem Unternehmen. Mit einem Plus von rund 64 Prozent beim Ebita (auf 74 Millionen Euro) steht auch die Logistiksparte gut da. Einen leichten Ertragsrückgang musste jedoch der inländische Briefversand hinnehmen (minus 1,3 Prozent). Beim Gewinn tragen Express, Logistik und Finanzdienstleistungen mittlerweile mit einem Anteil von 27 Prozent zum Konzernergebnis bei, vor einem Jahr waren es noch 20 Prozent. Der gesamte Jahresüberschuss verringerte sich leicht auf 1,05 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von vier Cents je Aktie auf 0,94 Euro. Wesentliche Ursache für den Rückgang sei ein Abbau steuerlicher Verlustvorträge.

Zum Ausblick auf das Gesamtjahr sagte Zumwinkel, auch für das zweite Halbjahr erwarte er mindestens die gleiche Steigerungsrate beim Ebita wie in den ersten sechs Monaten: "Diese positive Erwartung sollte die Kursfantasie mit Blick auf die Aktie Gelb anregen." Der Kurs des Papiers hatte sich seit der Emission im November (Ausgabepreis 21 Euro) negativ entwickelt. Nachdem die Post die Märkte am gestrigen Handelstag zunächst positiv beeinflusst hatte, rutschte das Papier dann doch auf ein Allzeittief nahe 17 Euro ab. Händler machten Gewinnmitnahmen für den Rückgang verantwortlich. Mit Blick auf die Pläne des Bundes, sich von weiteren Anteilen an der Post zu trennen, betonte Zumwinkel, er sehe keine Schwierigkeiten, im kommenden Jahr eine weitere Tranche am Markt unterzubringen.

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