Wirtschaft : Deutsche Solarfirma Marktführer in USA

Solarworld übernimmt die Werke von Shell – und steigt so zur weltweiten Nummer drei auf

Anselm Waldermann

Berlin - Der internationale Markt für Solartechnik steht vor einer tief greifenden Verschiebung. Das deutsche Unternehmen Solarworld hat den Großteil der Solaraktivitäten des britisch-niederländischen Energiekonzerns Shell übernommen. Damit steigt Solarworld nach eigenen Angaben zum größten Solarproduzenten der USA und zum drittgrößten der Welt nach Sharp und BP auf. Der Solarworld-Umsatz von zuletzt 300 Millionen Euro soll nun um 40 Prozent statt der bisher geplanten 20 Prozent steigen. Die im Tec-Dax gehandelte Aktie des Bonner Unternehmens erlebte am Donnerstag einen Kurssprung von zeitweise 23,8 Prozent. Bei Börsenschluss notierte das Papier bei 218,85 Euro immer noch 17,4 Prozent im Plus. Auch andere deutsche Solarwerte profitierten im Windschatten von Solarworld.

Zu den übernommenen Firmenteilen gehören Produktionsstätten für Solarzellen und Siliziumwafer in Gelsenkirchen, im kanadischen Vancouver und im kalifornischen Camarillo. Auch die auf Siliziumtechnologie spezialisierte Forschungsabteilung von Shell in München sowie Standorte in Singapur und Südafrika wechselten den Besitzer. Insgesamt geht es um Produktionskapazitäten von 80 Megawatt. In Deutschland stellte Solarworld im vergangenen Jahr Solarzellen mit einer Leistung von 40 Megawatt her. Zum Vergleich: Ein Kohlekraftwerk kommt auf eine Leistung von rund 1000 Megawatt.

Zum Kaufpreis für das Paket machten die Unternehmen keine Angaben. Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck betonte jedoch, dass das Geschäft „deutlich günstiger“ gewesen sei als der Aufbau eigener Produktionsstätten in den USA. Diese hätten Asbeck zufolge rund 250 Millionen Euro gekostet. „Das ist eine elegante Art und Weise, wie sich Solarworld auf dem amerikanischen Markt positioniert“, sagte Analyst Robert Schramm von Independent Research dem Tagesspiegel. Erst vor kurzem hatte der Bundesstaat Kalifornien ein Solarförderprogramm über insgesamt 2,9 Milliarden Dollar aufgelegt. Zudem kündigte US-Präsident George W. Bush am Dienstag an, eine 22-prozentige Erhöhung der Haushaltsmittel für die Förderung sauberer Energien zu beantragen.

Mit dem Kauf der Firmenteile von Shell baut Solarworld seine Aktivitäten im polykristallinen Solargeschäft aus. Die Deutschen setzen damit vor allem auf eine siliziumgestützte Solartechnik. Shell hingegen will seine Solaraktiviäten auf die modernere Dünnschicht-Technologie konzentrieren. Nur für Entwicklungsländer will Shell weiterhin konventionelle Solaranlagen bauen.

Dass sich Solarworld mit polykristallinen Zellen auf eine veraltete Technologie konzentriert, glaubt Analyst Schramm aber nicht. „Der Markt wächst für beide Technologien.“ Vor allem, wenn der derzeit knappe Rohstoff Silizium wieder ausreichend zur Verfügung stehe – voraussichtlich ab dem Jahr 2008 –, könne die Produktion polykristalliner Zellen weiter schnell wachsen. Für die Aktie von Solarworld gab Schramm deshalb einen positiven Ausblick. „Solarworld ist fair bepreist“, sagte er. Independent Research habe die Bewertung daher von „verkaufen“ auf „akkumulieren“ angehoben. Für andere Titel der Branche gelte das aber nicht automatisch mit. „Einige Papiere sind derzeit überbewertet“, sagte Schramm. So steht Ersol bei Independent Research auf „reduzieren“. Solarworld wiederum erwägt Asbeck zufolge einen Split oder die Ausgabe von Gratisaktien, um den Kurs künstlich zu drücken.

Die 575 Shell-Solar-Mitarbeiter sollen nach dem Besitzerwechsel weiter beschäftigt werden. Auch über die Garantiezeit von einem Jahr sollen die Betroffenen ihren Job behalten, erklärte Solarworld. Bisher beschäftigt das Unternehmen 759 Mitarbeiter.Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden.

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