Wirtschaft : Deutsche Telekom: Auf dem Sprung in den US-Handymarkt

Die US-Aufsichtsbehörde für Telekommunikation (FCC) wird den Einstieg der Deutschen Telekom bei dem US-Mobilfunkanbieter Voicestream nach Presseberichten in Kürze genehmigen. Die Behörde werde spätestens Mitte April ihre Zustimmung geben, berichtete die "Financial Times" am Donnerstag. Schon nach dem Wochenende wäre eine Entscheidung möglich. Damit wäre die letzte Hürde für den Sprung der Telekom auf den US-Mobilfunkmarkt genommen. Die Voicestream-Übernahme war in den USA wegen des hohen Staatsanteils bei dem deutschen Unternehmen auf Widerstand gestoßen. Die Telekom-Aktie legte bis zum frühen Nachmittag deutlich zu.

Laut "Wall Street Journal Europe" werden mindestens drei der vier FCC-Kommissare für die Übernahme durch die Telekom stimmen. Angesichts von Terminschwierigkeiten sei mit einer endgültigen Entscheidung nicht vor nächster Woche zu rechnen. Die Voicestream-Aktien waren bereits am Mittwoch auf Grund der Wall-Street-Spekulationen über eine baldige Genehmigung um elf Prozent auf 92,56 Dollar in die Höhe geschossen. Die Zeitung bezifferte den gegenwärtigen Wert der Transaktion auf rund 26 Milliarden Dollar. Die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, die Zustimmung der FCC verzögere sich, weil die Kommissare in der Entscheidung gleichzeitig allgemeingültige Grundsätze für künftige Übernahmen von US-Telefonlizenzen durch ausländische Unternehmen formulieren wollten. Deshalb könne sich die Genehmigung bis Mitte April hinziehen. Formal muss die FCC bis zum Sonntag über den Fall befunden haben. Derartige Fristen werden von der Behörde aber häufig überzogen. Die Wettbewerbsbehörden hatten bereits grünes Licht für den Kauf gegeben. Die Transaktion wird auch vom US-Kommittee für Auslandsinvestitionen auf nationale Sicherheitsfragen hin überprüft. Das Kommittee, das unter Führung des US-Finanzministeriums steht, dürften den Kauf nach Informationen des "Wall Street Journal" ebenfalls genehmigen. Die Telekom-Aktie gewann bis zum Abend an der Börse in Frankfurt 3,79 Prozent auf 47,40 Euro.

Gegen die Voicestream-Übernahme hatte sich in den USA eine Front von Gegnern unter der Führung des einflussreichen Senators Ernest Hollings gebildet. Hollings wollte erreichen, die Übernahme heimischer Telefonkonzerne durch ausländische Unternehmen mit mindestens 25 Prozent Staatsanteil prinzipiell zu untersagen. Die Deutsche Telekom ist noch zu 58 Prozent in Bundesbesitz; mit der milliardenschweren Voicestream-Übernahme würde der Staatsanteil auf knapp 46 Prozent sinken. Für Aufregung sorgte am Mittwoch (Ortszeit) eine angebliche E-Mail von Hollings, in der der Senator FCC-Kommissarin Gloria Tristani drängt, die Entscheidung zu Voicestream zu verzögern, bis er genügend Befürworter für ein Gesetz gegen derartige Übernahmen zusammenhabe. Hollings erklärte, die E-Mail stamme nicht von ihm und sei ein schlechter Scherz.

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