Wirtschaft : Deutsche Telekom: Ron Sommer braucht viel Charme und Verkaufstalent

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Der erfolgsverwöhnte Verkäufer Ron Sommer hat ein Problem. Der Kurs der T-Aktie, seines ehemaligen Verkaufsschlagers, befindet sich seit Monaten auf dem Weg nach unten. Für den selbstbewussten Telekom-Chef eine ganz neue Erfahrung: Noch im Juni hatte er 200 Millionen T-Aktien erfolgreich an die Börse gebracht. Doch seither hat sich die Stimmung an den Finanzplätzen gedreht. Das hat der immer perfekt gestylte PR-Profi zu spät erkannt. Der strahlende Sieger, als der er sich gern auf dem Parkett präsentiert, muss nun seinen ganzen Ehrgeiz daran setzen, die Gunst der Anleger wiederzugewinnen.

Ron Sommers Herkunft ist so international wie seine Karriere. Er wurde 1949 als Sohn eines Russen und einer Ungarin im israelischen Haifa geboren und wuchs in Wien auf. Dort studierte er Mathematik und promovierte im Alter von 21 Jahren. 1974 holte Heinz Nixdorf den jungen Manager zum deutschen Computerkonzern. Für Nixdorf war Sommer in New York, Paderborn und Paris tätig. 1980 wechselte er zum japanischen Elektronikkonzern Sony, übernahm 1986 den Vorsitz der Geschäftsführung von Sony Deutschland. Sommer machte Sony in Deutschland zum Marktführer in der Unterhaltungselektronik. Dann führte der technik- und computerbegeisterte Manager zuerst Sony USA und schließlich Sony Europa. Seit dem 16. Mai 1995 arbeitet Ron Sommer als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom daran, aus dem ehemaligen Staatsbetrieb und Monopolisten ein international konkurrenzfähiges Unternehmen zu machen. 1996 brachte er die T-Aktie erfolgreich an die Börse und machte aus vielen deutschen Sparern Aktionäre.

Über den Privatmann Ron Sommer weiß die Öffentlichkeit nicht viel: Er plaudert nicht bei Sabine Christiansen und kocht nicht mit Alfred Biolek. Es heißt nur, dass er auch an Tagen mit dichtgedrängtem Terminkalender Zeit für seine Frau und die zwei Söhne einplant. Sommers großes Ziel: Aus der Deutschen Telekom soll ein "Global Player" werden. Noch sei die Telekom aber eher ein "Local Hero", musste er sich auf der jüngsten Hauptversammlung von einer Aktionärsvertreterin sagen lassen. Gerade acht Prozent des Telekom-Umsatzes von 35,5 Milliarden Euro erwirtschafteten die 172 000 Mitarbeiter 1999 im Ausland.

Sommers bisher größte Schlappe in der Internationalisierungsstrategie: Die geplatzte Fusion mit Telecom Italia im vergangenen Jahr. Die gescheiterten Italienpläne machten Sommer außerdem seinen langjährigen Verbündeten, France Télécom-Chef Michel Bon, zum erbitterten Feind. Sommers Pech, dass die Öffentlichkeit seine internationalen Erfolge niemals so stark honorierte, wie sie seine Fehlschläge anprangerte. Bei der Übernahme des britischen Mobilfunkanbieters One-2-One musste Sommer die Kritik einstecken, er habe zu viel bezahlt. Nur wenig später musste Mannesmann für den britischen Konkurrenten Orange viel mehr bezahlen - eine kleine Genugtuung für den Telekom-Chef. In Osteuropa hat sich Sommer ein weitverzweigtes Telekomnetz mit Beteiligungen und Übernahmen aufgebaut - aber kaum jemand interessiert sich dafür. Alle haben offenbar nur auf den großen Coup in den USA gewartet. Als potenzielle Partner waren immer wieder Sprint, Global Crossing und Qwest im Gespräch, bis Sommer mit dem Voicestream-Coup überraschte.

Auf dem liberalisierten deutschen Telekommunikationsmarkt hat sich die Telekom bisher gut gehalten. Doch Sommer wird nicht müde, sich über die scharfen Auflagen der Regulierungebehörde für sein Unternehmen zu beschweren. Dabei hat er die Grenzen der Regulierung immer wieder erfolgreich ausgetestet. Dass die Telekom auch dank der harten Bedingungen in Deutschland erst wettbewerbsfähig geworden ist, das sieht Sommer nicht.

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