Deutscher Fitnessmarkt : Fitness schlägt Fußball

Die Fitnessbranche ist das am schnellsten wachsende Sportsegment in Deutschland. Es trainieren so viele Menschen wie nie zuvor.

Lukas Wohner
Große Muskeln. Jeder zehnte Deutsche ging im vergangenen Jahr ins Fitnessstudio. Foto: dpa
Große Muskeln. Jeder zehnte Deutsche ging im vergangenen Jahr ins Fitnessstudio.Foto: dpa

Rund 8,6 Millionen Menschen waren Ende 2013 in Deutschland in einem Fitnessstudio angemeldet, das entspricht einem Mitgliederwachstum von 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fitness ist damit die teilnehmerstärkste Trainingsform in Deutschland, noch vor den Fußballvereinen mit insgesamt 6,8 Millionen Mitgliedern. Das geht aus der Studie "Der deutsche Fitnessmarkt 2014" hervor, die am Mittwoch von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement herausgegeben wurde. "Damit trainierte jeder zehnte Deutsche in einer von bundesweit 7940 Fitnessanlagen", erläutert Karsten Hollasch, Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte in Deutschland. Die große Mehrheit nutzt Anlagen mit einer Studiofläche von mehr als 200 Quadratmetern, hier stieg die Mitgliederzahl zwischen 2008 und 2013 von 6,1 Millionen auf 8,1 Millionen, also um rund 5,9 Prozent pro Jahr.

Der durchschnittliche Fitnesssportler war zum Erhebungszeitpunkt laut Studie 42 Jahre alt und besuchte eine 1427 Quadratmeter große Anlage. Für die Mitgliedschaft wurden im Schnitt 55 Euro pro Monat bezahlt, was den Fitnessstudios im vergangenen Jahr einen Branchenumsatz von 4,55 Milliarden Euro bescherte. Auch hier steht ein Plus von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Branche waren zudem rund 209 000 Mitarbeiter beschäftigt.

"Trotz des hohen Niveaus sehen wir jedoch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weiteres Wachstumspotenzial für die deutsche Fitnessbranche", sagt Hollasch. Bis 2017 erwarte er rund 10 Millionen Mitglieder in Deutschland. Haupttreiber dieser Entwicklung seien Ketten wie McFit, die ihre Mitgliederzahlen um 1,7 Millionen auf 4,2 Millionen Mitglieder steigerten und somit rund 285 000 mehr aktive Sportler aufwiesen als die Einzelstudios.

In der deutschen Fitnesslandschaft stehen sich einerseits Discount- und Premiumanbieter gegenüber, andererseits mischen Nischenanbieter die Branche auf. Mit speziellen Fitnessangeboten für bestimmte Zielgruppen konnte sich so beispielsweise Mrs. Sporty erfolgreich etablieren. Ziel des Unternehmens ist es, Frauen in ihrer Nachbarschaft zu erreichen. Die Kette wirbt mit einem 30-minütigen Training, das "ganz leicht in den Alltag zwischen Kindern, Haushalt, Job und Partnerschaft" integriert werden kann. Ähnlich fix – nur eine Spur härter – geht es beim Crossfit zu: Bei dem Fitness-Trend aus den USA werden in relativ kurzen Trainingseinheiten auch schon mal Traktorreifen gestemmt.

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Die Autoren der Studie bewerteten die Stimmung auf dem Markt weitgehend positiv. "Der Wunsch der Menschen, sich sportlich zu betätigen, beflügelt die Fitnessbranche", prognostiziert daher auch Refit Kamberovic, Hauptgeschäftsführer des DSSV. Die jüngere Vergangenheit habe zudem gezeigt, dass die Fitnessbranche in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Wachstum erzielen konnte. So ist die Branche auch für Private-Equity-Investoren interessant, die sich im Jahr 2013 an rund zwei Dritteln aller Transaktionen im Fitnessmarkt beteiligten.

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