Wirtschaft : Deutschland ist erwachsen geworden

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Während des Golfkrieges unterstützte Deutschland die Anti-Irak-Koalition nur aus der zweiten Reihe. Im Lauf der neunziger Jahre erweiterte es seine militärische Rolle und stellte Tornadojets für den Nato-Einsatz im Kosovo. Jetzt will sich Bundeskanzler Gerhard Schröder ganz von den psychologischen und politischen Fesseln lösen, die sein Land bisher an einer direkten Beteiligung an den Militäraktionen der Bündnispartner gehindert haben: Er garantiert den USA im Kampf gegen den Terrorismus die volle militärische Unterstützung Deutschlands.

Die Ironie dahinter ist, dass gerade mit dem Mündig Werden von Nachkriegsdeutschland viele der anderen europäischen Partner in eine Art politischen Infantilismus zurückzufallen scheinen. Der französische Premierminister Lionel Jospin zum Beispiel hat lediglich eingeschränkten Beistand im Krieg gegen den Terror zugesagt. Schröder dagegen forderte die EU-Partner vergangene Woche auf, Rückgrat zu zeigen: "Wir müssen der neuen internationalen Verantwortung ins Auge sehen." Er spielte bewusst darauf an, dass das auch bedeuten könnte, eigene Truppen zu schicken.

Auf einer bestimmten politischen Ebene sind diese Unstimmigkeiten in Europa weder überraschend noch wirklich Besorgnis erregend. Sie sind nicht überraschend, weil gemeinhin in Kriegszeiten die Opposition proportional mit jeder geworfenen Bombe steigt. Und sie sind nicht Besorgnis erregend, weil der Mann an der Spitze Europas in den meisten Fällen fest hinter den Einsätzen der USA steht. Und das ist der britische Premierminister Tony Blair. Blair zeigt wenigstens in seiner öffentlichen Haltung, wie wichtig es ist, die Solidarität mit den USA über mögliche Bedenken gegen die Bombardements zu stellen. Amerika ist das Hauptziel des Terrorismus und es leitet die Militäraktionen. Aus diesem Grund muss man der US-Regierung auch den entsprechenden Handlungsfreiraum zugestehen.

Angesichts der Opposition, die sich in der deutschen Bundesregierung in Gestalt des kleineren Koalitionspartners formiert, ist Schröders entschiedene Haltung um so beeindruckender. Mitglieder der Grünen haben lautstark eine Pause der amerikanischen Luftangriffe zugunsten humanitärer Einsätze gefordert, worauf Parteichef und Außenminister Joschka Fischer sie scharf zurechtwies. Er drohte sogar mit Austritt aus der Partei, wenn andere Parteiführungsmitglieder nicht zu verantwortungsvollem Handeln im Stande seien.

Allerdings sind die Proteste der europäischen Öffentlichkeit bisher auch eher farblos geblieben. Man braucht jedoch keine Kristallkugel, um vorauszusagen, dass sie mit der Zeit konsequenter und bemerkbarer werden. Die Kritik an den Militäreinsätzen basiert auf möglichen Alternativen, die zum einen humanitärer, aber auch effektiver gegen die Terroristen sind. Nur: Die Kritiker haben es bisher versäumt, diese Alternative tatsächlich zu benennen.

Es wäre nicht gerecht so zu tun, als käme Kritik nur aus Europa. Auch in den USA werden die Proteste, wie von Präsident Bush vorausgesagt, immer lauter. Der Krieg hat gerade mal begonnen, da haben ihn die Leute auch schon wieder satt. Sie werden seine Ziele in Frage stellen, seine Mittel und das Resultat. Bedenken mögen gerechtfertigt sein. Aber die Beweggründe heutiger Pazifisten sind eher darin begründet, dass sie das Ausmaß der Bedrohung, mit der sich die westlichen Nationen konfrontiert sehen, auf irrationale Weise abtun, und dass eine generelle ideologische Opposition gegen jene Demokratien herrscht, die die nötige Macht ausüben.

Politischer Protest hat natürlich auch in Zeiten des Krieges seine Berechtigung. Einige dienstältere europäische Vertreter scheinen mit ihren aktuellen Aufrufen zum Pazifismus jedoch noch immer in einer Welt vor dem 11. September zu leben. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Bob Mundell pflegte zu sagen, dass die globale Wirtschaft die einzige geschlossene Wirtschaft ist. Seit dem 11. September kann eine entsprechende politische Bedeutung für diesen Spruch nicht mehr von der Hand gewiesen werden.

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