Wirtschaft : Deutschland spielt mit

Zwei US-Investoren kaufen die Mehrheit am Hamburger Onlinespiele-Hersteller Bigpoint

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Das Spieleuniversum.
Das Spieleuniversum.Foto: dpa

Berlin - Die Geschichte beginnt wie so viele in der Internetbranche. Ein paar Hamburger Studenten jammern über langweilige Computerspiele, da setzt sich Heiko Hubertz hin und beginnt, Onlinespiele zu programmieren. Herausgekommen ist Bigpoint, einer der weltweit erfolgreichsten Anbieter für Spiele im Internet. Nun übernehmen zwei US-Investoren die Mehrheit des Unternehmens und bewerten es auf 600 Millionen US-Dollar. Die Beteiligungsgesellschaften Summit Partners und TA Associates schlossen Verträge über eine Mehrheitsübernahme in Höhe von 350 Millionen US-Dollar.

Heiko Hubertz ist heute noch Geschäftsführer von Bigpoint, wenn er auch inzwischen nur noch 30 Prozent der Anteile besitzt. Bereits 2008 hat er 70 Prozent des Unternehmens an die Investmentfirma GMT und Peacock, ein Gemeinschaftsfonds von NBC Universal und General Electric (GE) verkauft. NBC steigt nun komplett aus, GMT und GE behalten eine kleine Beteiligung. Von damals 70 Millionen Euro hat sich der Wert des Unternehmens in drei Jahren fast verzehnfacht. „Die Investition gibt uns den notwendigen Schub, um eines der erfolgreichsten Games-Unternehmen der Welt zu werden“, sagt Hubertz.

John Meeks, Managing Director bei TA Associates, bescheinigt Bigpoint „beträchtliche Wachstumschancen“ wegen des „höchst attraktiven Free-to-Play-Modells“. Alle Spiele, wie „Dark Orbit“, „Farmerama“ oder „Battlestar Galactica“, können kostenlos direkt im Internet gespielt werden. Mit echtem Geld kann man sich jedoch Vorteile erkaufen. Für Centbeträge bekommt man beispielsweise Items wie Kanonenkugeln, für mehrere Euro ein besseres Transportmittel. Jedoch können die Spiele auch komplett kostenlos durchgespielt werden. „90 Prozent unserer Kunden zahlen nie etwas“, erklärt eine Sprecherin.

Mit dieser Strategie steigerte Bigpoint die Mitgliederzahl der Plattform seit der Unternehmensgründung 2002 auf heute 185 Millionen. Im Gegensatz zu Anbietern, die innerhalb eines sozialen Netzwerks wie Facebook agieren, funktioniert Bigpoint mit Community und Pinnwand selbst wie ein Netzwerk – um sich nicht abhängig zu machen, sagt Hubertz. Der Hamburger beschäftigt heute über 700 Mitarbeiter in Hamburg, San Francisco, São Paolo, Malta – und Berlin, wo Bigpoint den Konkurrenten Radon Labs im vergangenen Jahr nach dessen Insolenz übernahm. Momentan sitzen die 60 Mitarbeiter am Alexanderplatz an der Entwicklung einer Online-Version des Spieleklassikers „Drakensang“.

Hubertz will sein Unternehmen weiter vergrößern. Auch dafür ist die Rekapitalisierung gedacht. Kürzlich eröffnete er neue Büros in Brasilien und San Francisco. Fortan sollen jedoch die bestehenden Standorte ausgebaut werden. Das gilt auch für Berlin. So soll das Unternehmen in den nächsten Jahren auf 1000 Mitarbeiter wachsen und der Wert auf eine Milliarde steigen. Anke Myrrhe

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