Wirtschaft : DGB fordert Ende des Sparkurses Hunderttausende zu Mai-Demos auf der Straße

Berlin/Stuttgart - Zum 1. Mai sind hunderttausende Menschen für faire Löhne, gute Arbeit und soziale Sicherheit auf die Straße gegangen. Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) schwor die Gewerkschaften am Tag der Arbeit auf einen harten Kampf gegen Niedriglöhne, die Macht der Banken und Spekulanten und gegen die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung ein. Bei der Hauptkundgebung des DGB zum 1. Mai erhielt er dafür in Stuttgart tosenden Applaus. An einem allgemeinen Mindestlohn führt nach seinen Worten kein Weg vorbei: „8,50 Euro die Stunde – das ist Beton. Darunter geht gar nichts“, rief Sommer.

Als falsche Politik auf dem Rücken der meisten Arbeitnehmer geißelte der DGB-Chef den Sparkurs im kriselnden Europa. „Denn es sind doch nicht die Menschen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern es sind die gierigen Eliten, die die Staaten ausgeplündert haben und es weiter tun und tun wollen“, sagte Sommer unter großem Beifall. Es gebe „nur eine vernünftige Möglichkeit, um eine Schuldenbremse überhaupt sozial gangbar zu machen. Die Steuern für Reiche müssen endlich wieder rauf“.

Zu den Kundgebungen kamen nach DGB-Angaben bundesweit 419 000 Menschen. Im vergangenen Jahr waren es 423 000 gewesen. Die mehr als 420 Veranstaltungen und Kundgebungen standen in diesem Jahr unter dem Motto: „Gute Arbeit in Europa – Gerechte Löhne, Soziale Sicherheit“. Für Sommer spiegelt sich in den Teilnehmerzahlen „die Unzufriedenheit der Gewerkschaftsbewegung über die aktuelle Krisenpolitik der Bundesregierung und den rigiden Sparkurs in Europa wider“.

Die Gewerkschaften leiden unter einem stetigen Mitgliederschwund: Im Jahr 1991, direkt nach der Wiedervereinigung, waren noch 10,3 Millionen Menschen in einer DGB-Gewekschaft organisiert. Im vergangenen Jahr 2011 waren es nur noch 6,1 Millionen. In dieser Zeit hat sich die Arbeitswelt zugleich stark gewandelt. Darauf machte das Statistische Bundesamt anlässlich des Feiertages aufmerksam. So sei etwa die Produktivität je Erwärbstätigen in den 20 Jahren seit 1991 im Schnitt um 22,7 Prozent gestiegen. SOMMERS REDE]Die Zahl der Arbeitsstunden pro Kopf fiel um 9,0 Prozent. Noch deutlicher zeige sich der Produktivitätszuwachs, wenn er nicht auf die Gesamtzahl der Erwerbstätigen bezogen werde, sondern auf die geleisteten Arbeitsstunden, teilten die Statistiker zum Tag der Arbeit mit. Dann nämlich stieg die Produktivität seit 1991 sogar um 34,8 Prozent. dapd/kph

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