Diamantenindustrie : Polieren am Image

Der Kinofilm "Blood Diamond" hat die Diskussion um Blutdiamanten, mit denen Armeen und Rebellen in der Dritten Welt ihre Kriege finanzieren, neu angeheizt. Die Diamantindustrie will nicht in Verruf geraten.

Johannesburg - "Diamanten sind unvergänglich", sang einst Shirley Bassey. Heute macht sich die Branche damit selber Mut, seit eine Debatte um die Problematik von Diamanten aus Konfliktländern in Gang gekommen ist. Der gerade in den deutschen Kinos angelaufene Film "Blood Diamond" hat sie neu belebt. Angesichts eines Marktes mit einem Volumen von knapp 10 Milliarden Euro für Roh- und 14 Milliarden Euro für geschliffene Diamanten lässt er so manchen PR-Spezialisten und Marketingexperten ins Rotieren kommen.

Marktführer De Beers und seine afrikanischen Partnerländer haben auf den Film längst mir einer Imagekampagne reagiert. Denn das Produkt hat einen Wert, der im Wesentlichen vom Image bestimmt ist. Und das ist gefährdet durch die Debatte um Blutdiamanten, deren Verkauf Rebellen und Armeen das nötige Geld für Waffenkäufe liefert. Bürgerkriege mit hunderttausenden Toten wurden einst in afrikanischen Ländern wie Sierra Leone, Liberia, Angola oder dem Kongo mit derartigen Blutdiamanten finanziert. Illegale Diamantenexporte wurden nicht nur zur Finanzierung blutiger Kriege in Afrika genutzt - wo zwei Drittel aller Steine gefördert werden - sondern auch von terroristischen Gruppen für die Geldwäsche genutzt.

Zertifikate gegen Schmuggel

Die Branche hat längst reagiert. Nach weltweiten Protesten haben Regierungen, Firmen und Organisationen im Jahr 2000 ein System mit Herkunfts-Zertifikaten aufgebaut, das den Schmuggel von Rohdiamanten zur Kriegsfinanzierung unterbinden soll. Es ist seit 2003 in Kraft. Die Initiative war unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in der südafrikanischen Diamantengräber-Stadt Kimberley ins Leben gerufen und nach ihr benannt worden. An dem System arbeiten 71 Länder mit. Alle wichtigen Zentren für Förderung, Verarbeitung und Handel mit Diamanten sind vertreten.

Rund 99 Prozent der Diamantenproduktion soll so erfasst werden, erklärt Marktführer De Beers. Für den Rest will die Europäische Union dieses Jahr Schlupflöcher stopfen und die Diamantenindustrie dafür mehr in die Maßnahmen einbinden. Die Debatte um die Blutdiamanten hat angesichts des Kriegsendes in Staaten wie Angola oder Liberia mittlerweile ohnehin eine neue Qualität bekommen.

Es geht heute auch um die Frage, wie die Glitzersteine der Entwicklung des Förderlandes zugute kommen. Beispiele dafür gibt es mehrere, darunter Staaten wie Botswana oder Namibia, die sich mit De Beers die Profite teilen. Hunderttausende Menschen hängen von der Diamantförderung ab - allein in Namibia sind es 5000 Beschäftigte und deren Familien. In der einstigen Kolonie Deutsch-Südwest - wo der erste Diamant vor knapp 100 Jahren gefunden wurde - steht gerade eine Vertragserneuerung zwischen Staat und De Beers an.

Unternehmen stehen in der Pflicht

In Botswana hat der weltgrößte Diamantenhändler seine wichtigste Rohstoff-Basis 2006 abgesichert. Für weitere 25 Jahre sicherte ihm die Regierung die Schürfrechte für seine vier Diamantminen dort zu. Sie tragen mehr als die Hälfte zum De Beers-Geschäft bei. Als Ausgleich für die Schürfrechte verdoppelte sich Botswanas Anteil an De Beers von 7 auf 15 Prozent. Zudem muss das Unternehmen beim Aufbau von Schleifereien und Verteilzentren helfen, in dem auch Edelsteine von außerhalb des Landes verkaufsfertig gemacht werden.

Botswana - nach Wert mit 30 Millionen Karat pro Jahr der weltgrößte Diamantenproduzent - will damit seine Abhängigkeit von den Edelsteinen verringern. Ihr Verkauf macht bisher rund 70 Prozent seiner Einkünfte aus. Das einst britische Betschuanaland repräsentiert ein Viertel der weltweiten Diamantenproduktion und gilt als Wirtschaftswunderland, seit kurz nach seiner Unabhängigkeit die ersten Edelsteine entdeckt wurden. Mit De Beers war Botswana bisher im Verhältnis von 50/50 am Gemeinschaftsunternehmen Debswana beteiligt - dem größten privaten Arbeitgeber im Lande. (Von Ralf E. Krüger, dpa)

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