Wirtschaft : Die Aktionäre der Bankgesellschaft sind bitter enttäuscht

BERLIN (dr).Es ging erwartungsgemäß hoch her auf der Hauptversammlung der Bankgesellschaft am Mittwoch im Berliner ICC, war doch der Ausfall der Dividende angekündigt worden.Da wurde der Geschäftsbericht auf der Bühne demonstrativ mit Füßen getreten, da wurde - vergeblich - eine Sonderprüfung verlangt.Während der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Rupf von den aufgebrachten Aktionären noch relativ milde behandelt wurde, war es wieder einmal der mit Ablauf der Versammlung ausscheidende Aufsichtsratsvorsitzende Edzard Reuter, der die Emotionen auf sich zog.Der Vorwurf, Reuter sei ein Malus für den Kurs der Aktie der Bankgesellschaft, und der Vorschlag, ihn "zum Teufel zu jagen", statt ihn zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrates zu ernennen, gehörten noch zu den zurückhaltenden Äußerungen.Manches traf eindeutig unter die Gürtellinie.

Zuvor hatte Reuter "in ungewöhnlich offenen Worten" - so ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz - auch Fehler des Aufsichtsrates eingestanden.Der Vorsitzende warb um Verständnis für die schwierige Situation der Bankgesellschaft.Er erklärte, der Dividendenausfall sei notwendig und die richtige Entscheidung.Er machte Hoffnung ("Die Bankgesellschaft ist auch ein großartiges und in seiner Art einmaliges Unternehmen") und dämpfte allzu hochfliegende Erwartungen ("Bis wir überzeugende Lösungen erreicht haben, sind noch erhebliche Anstrengungen nötig").

Dabei nahm die Mehrzahl der weit über 1000 anwesenden Aktionäre die Situation relativ gelassen hin, wobei die Ankündigung von Rupf, endlich gehe es mit der Bankgesellschaft wieder aufwärts und schon für das laufende Jahr sei wieder mit einer ordentlichen Dividende zu rechnen, mit Skepsis aufgenommen wurde."Wenig ist sicher am Aktienmarkt, außer daß die Bankgesellschaft ihre Planzahlen verfehlt", war die Reaktion eines Anteileigners auf Rupfs Äußerungen.Ein anderer zeigte mehr Verständnis für die Lage des Vorstandsvorsitzenden und sagte, er hätte sich mit einer Dividendenprognose nicht so weit aus dem Fenster gelehnt.Überhaupt die Ankündigungen: Daß es besser werde, die Risiken nun endlich erkannt und in der Vorsorge berücksichtigt seien, haben die Anteilseigner schon zu oft gehört, als daß sie sie diesmal wirklich geglaubt hätten.Rupf mochte noch so zuversichtliche Worte finden."Werden eine Mrd.DM Risikovorsorge nun zu einer Standardgröße bei der Bankgesellschaft?", lautete die Gegenfrage.Da war die Frage: "Wann hat Rupf den Laden endlich im Griff?" schon als Ansporn zu verstehen.

Daß er die Lage nun endlich im Griff habe, versuchte der Vorstandsvorsitzende in seiner Rede deutlich zu machen.Rupf sprach von einer Veränderung der Kultur des Unternehmens.Es sei unbestritten, daß die Fehlentwicklungen in der Vergangenheit auch durch die Mentalität des Abwartens und des "Weiter so" verschlimmert worden seien.Dies werde im Einvernehmen mit den Betriebs- und Personalräten nicht mehr akzeptiert.Doch nicht nur die unteren und mittleren Ränge sollen den neuen Wind zu spüren bekommen, der "Ruck" soll auch die Spitze des Konzerns erreichen."Einheitliche Konzernführung statt ungebundener Selbständigkeit", "konzernweite Geschäftsfeldverantwortung jedes einzelnen Konzernvorstandes" und schließlich die "Verringerung der Komplexität der Konzernstruktur durch Straffung der Einzelgesellschaften" - so lauten einige der Vorgaben.

Diese Neuausrichtung zeige, so Rupf, Wirkung.Er versuchte dies mit Zahlen aus dem ersten Quartal 1999 zu belegen.Die Verwaltungsaufwendungen konnten um 74 Prozent auf 410 Mill.Euro (802 Mill.DM) gesenkt werden.Ein Anfang berücksichtigt man, daß dieser Posten zwischen 1994 und Ende 1998 um 52 Prozent auf 3,5 Mrd.DM gestiegen ist.Die Risikovorsorge konnte gegenüber dem anteiligen Vorjahreswert um 42 Prozent verringert werden.Und Rupf glaubt sich diesmal vor Überraschungen sicher.Zwischen 90 und 95 Prozent aller Kredite seinen nun untersucht.Dennoch wird die Risikovorsorge im gesamten Jahr wohl wieder eine Mrd.DM erreichen.Das Betriebsergebnis beträgt laut Rupf im ersten Quartal 20 Mill.Euro nach einem negativen Ergebnis von 74 Mill.Euro in der vergleichbaren Vorjahreszeit.Und Rupf setzte noch eins drauf: Berücksichtige man schwebende Gewinne des Eigenhandels, die nicht ausgewiesen werden, kämen 104 Mill.DM hinzu.Das Ergebnis vor Steuern in Höhe von insgesamt 76 Mill.Euro liege damit um 163 Mill.Euro über dem Ergebnis der ersten drei Monate des Vorjahres; knapp 60 Prozent der Verbesserung seien auf eine niedrigere Risikovorsorge zurückzuführen.Die Abstimmungsergebnisse waren angesichts von 56,8 Prozent, die das Land Berlin hält, eindeutig.Zu seinem neuen Vorsitzenden wählte der Aufsichtsrat den Juristen Dieter Feddersen.

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