Wirtschaft : Die Aktionäre honorieren die Strategie - Analysten empfehlen dagegen Konzentration auf eine Branche

Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN will im neuen Jahrtausend durch Zukäufe stark wachsen und weiterhin auf mehrere Standbeine setzen. Analysten forderten immer wieder, sich auf eine Branche zu konzentrieren, sagte der Vorstandsvorsitzende der MAN AG, München, Rudolf Rupprecht, am Mittwoch auf der Hauptversammlung. "Wir haben aber bewiesen, dass wir in dieser schlagkräftigen Aufstellung eine gesunde Entwicklung des Unternehmens und eine hohe Profitabilität erreichen können."

Eine Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte jedoch, die MAN-Aktie werde an den Finanzplätzen "mit dem Kursabschlag eines Gemischtwarenladens" gehandelt. Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger sagte: "Ich habe den Eindruck, wir hängen im Schlafwagen." Wenger und andere Aktionäre forderten zudem die Abschaffung der MAN-Vorzugsaktien.

Der Konzern wolle den Umsatz in den nächsten fünf Jahren um 50 bis 100 Prozent steigern, bekräftigte Rupprecht. Rund 30 Prozent sollten durch eigenes Wachstum erreicht werden. "Der Rest soll durch Zukäufe und Zusammenschlüsse hinzukommen." Voraussetzung dafür seien aber "ein vernünftiger Kaufpreis, realisierbare Synergien und klare Führungsstrukturen".

Die Aktionäre zeigten sich auf der Hauptversammlung mit der Lage des Konzerns zufrieden. Einige Vertreter aber forderten angesichts des Konzentrationsprozesses in der Branche Zukäufe in der Nutzfahrzeugsparte. Rupprecht entgegnete, hier bestehe "kein dringender Handlungsbedarf", wenn man keinen geeigneten Übernahmekandidaten finde. Der Vorstand gehe weiter davon aus, im Gesamtjahr Auftragseingang und Umsatz steigern zu können, sagte Rupprecht. Im Anlagenbau zeichne sich eine deutliche Belebung des Geschäfts ab. Ob sich das hohe Wachstum bei den Nutzfahrzeugen durchhalten lasse, sei noch abzuwarten. Das Ergebnis solle "auf dem guten Niveau des Vorjahres" liegen.

In den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres 1999/2000 (30. Juni) kletterte der Umsatz des Konzerns um acht Prozent auf 9,2 Milliarden Mark. Auf Wachstumskurs war erneut die Nutzfahrzeug-Sparte. Ihre Erlöse wuchsen um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Mark. "Der Bereich Dieselmotoren bewegt sich dagegen weiterhin in schwierigem Fahrwasser", sagte Rupprecht. Angesichts der Nachfrageschwäche bei Schiffsneubauten rechne der Konzern mit weiter rückläufigen Aufträgen und Gewinnen. Der Auftragsbestand im Konzern legte in den ersten fünf Monaten um fast ein Viertel auf knapp 21 Milliarden Mark zu. Das Plus beruht aber nur zum Teil auf internem Wachstum. Er ist auch auf die Integration der ehemaligen Mannesmann Demag Metallurgie zurückzuführen.

Im Geschäftsjahr 1998/99 steigerte der Konzern den Umsatz um fünf Prozent auf knapp 26 Milliarden Mark. Der Jahresüberschuss kletterte um 15 Prozent auf 725 Millionen Mark (371 Millionen Euro). Die Aktionäre erhalten zusätzlich zur Dividende in Vorjahreshöhe von 1,60 Mark einen Bonus von 20 Pfennig je Aktie. Die Zahl der Mitarbeiter stieg in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres um gut vier Prozent auf knapp 67 000.

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