Die Alternative : Produkte aus regionaler Herstellung

Höher, schneller, weiter, das war jahrzehntelang das Credo der Globalisierung. Seit einiger Zeit besinnen sich Verbraucher aber auf Regionalität. Sie wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen.

Jana Gioia Baurmann

In den grünen Plastikkisten, die einmal die Woche vor 1800 Berliner Haustüren stehen, liegen jede Menge Obst und Gemüse. Salat ist darunter, der am Morgen noch auf einem Feld in Brandenburg wuchs. In die „Märkische Kiste“ kommen nur Lebensmittel aus ökologischem Anbau – frisch geerntet und von Bauernhöfen aus der Region. „Regional bedeutet, dass die Lebensmittel in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometer um Berlin angebaut werden“, sagt Kay Fabig. Er organisiert die Kistenplanung des Naturkost-Lieferservices. „In den letzten drei Jahren hatten wir einen Zuwachs von 100 Prozent“, berichtet er.

Höher, schneller, weiter, das war jahrzehntelang das Credo der Globalisierung. Seit einiger Zeit besinnen sich Verbraucher aber auf Regionalität. Sie wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. „Glokalisierung" nennt die Kelkheimer Beratungsfirma Zukunftsinstitut diesen Trend – und meint damit ein Streben nach regionalem und globalem Bewusstsein. In den letzten Jahren seien in Deutschland rund 50 Labels zur Vermarktung regionaler Produkte entstanden, haben die Berater beobachtet. 2010 wirtschafteten rund 22 000 landwirtschaftliche Betriebe auf 990 000 Hektar Fläche ökologisch, das ist fast dreimal so viel wie 1996. Allein die Bio-Supermarktkette Alnatura, die viele regionale Produkte im Angebot hat, machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 399 Millionen Euro. Im ersten Geschäftshalbjahr 2011 meldete das Unternehmen ein Umsatzplus von 17 Prozent.

Auch andere Länder setzen auf diesen Trend: In New York etwa gibt es die Food Coop. Auch dort werden vor allem regionale Produkte verkauft. In den USA sind die Wege weit, doch dem Kunden wird garantiert, dass das Produkt spätestens 24 Stunden nach der Ernte in der Coop ist. Um bei der Coop einkaufen zu können, muss man Mitglied sein. In Berlin gibt es ein ähnliches Modell, die LPGs. 1994 entstand der erste LPG-Biomarkt in Neukölln, inzwischen gibt es sechs Märkte in der Stadt. 40 Prozent ihrer Frischware kommen aus dem Umland, die Produkte von 25 Stammhöfen. Wer Mitglied in der LPG wird, zahlt weniger. Laut Geschäftsführer Werner Schauerte stieg die Mitgliederzahl von 1500 im Jahr 2000 auf heute 17 000.

Was für das Essen gilt, gilt inzwischen auch für Kleidung. Viele deutsche Modemarken setzen auf eine Produktion vor Ort. So zum Beispiel die Lunge Sportschuh-Manufaktur in Düssin, Mecklenburg-Vorpommern. 2008 gegründet, produzierte das Unternehmen im ersten Jahr 400 Paar Sportschuhe. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 6000 Paar sein, in den kommenden Jahren soll die Anzahl weiter steigen. Trotzdem: „Wir können der Versuchung widerstehen, unsere Produktion nach Asien zu verlegen. Jeder Schuh wird von uns angefasst und kontrolliert“, sagt Geschäftsführer Ulf Lunge. Momentan fertige man 150 Paar pro Woche. Auch größere Unternehmen setzen auf „Made in Germany“. Das international bekannte Modelabel Lala Berlin lässt seit jeher in der Hauptstadt fertigen.

Doch wie schafft man mit Regionalität ein konkurrenzfähiges Preis-Leistungsverhältnis? Ein globales Medium hilft: das Internet. Keine Werbung, dafür Online-Shop, Facebook oder Twitter – „Made in Germany“ verkauft sich vor allem übers Netz.

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