Wirtschaft : Die Anleger hielten im Januar ihr Pulver trocken

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Klare Gewinnerin auf dem Dax-Parkett ist im Januar die Preussag-Aktie gewesen: Um etwa ein Fünftel ist der Kurs gestiegen. Die extremen Abstürze des Papiers im Herbst waren wohl doch mehr ein Produkt der Hysterie denn der Fakten. In den USA jedenfalls werden entlassene Beschäftigte in der Reisebranche gerade wieder zurück geholt. Die Passagierzahlen der Fluglinien steigen. Im April will Konzernchef Frenzel für 2001 nochmals ein Rekordergebnis vorlegen.

Das schaffte der zweite Reisekonzern im Dax nicht einmal annähernd: Die Lufthansa musste das Projekt "Schwarze Null", also ein ausgeglichenes Ergebnis für 2001, für gescheitert erklären. Trotzdem griffen die Anleger zu. Der Kranich hat damit Ende Januar wieder seine Flughöhe vor den Terror-Anschlägen erreicht.

Insgesamt jedoch blieben die Anleger nervös. Zahlreiche hoffnungsfrohe Konjunkturmeldungen, die in den Vormonaten noch zum Kaufrausch geführt hätten, verhallten praktisch wirkungslos. Denn man hatte sie ja eigentlich auch erwartet. Der Dax speckte also ab im Januar, wenn auch nur geringfügig von 5160 auf rund 5100 Zähler.

Die Furcht vor schlechten Zahlen vor allem in der Telekombranche - gerüchteweise hieß es, Worldcom sei zahlungsunfähig - lenkte auch die Deutsche Telekom in schweres Wasser. Mehrere US-Analysten setzten das Papier auf "reduce". Die Begründung: Wegen der Probleme beim Verkauf des Kabelnetzes und der schwachen Konjunktur drohten der Telekom wohl noch ein, zwei Jahre Milliardenverluste. Der Schuldenberg könne nicht abgebaut werden. Deutsche Investmenthäuser urteilten allerdings angesichts der gedrückten Kurse von knapp 17 Euro: Kaufen.

Bei Infineon war es umgekehrt: Während US-Banken durchweg und mit Kurszielen bis 35 Euro dringend zum Kauf rieten, sahen deutsche Analysten in dem Halbleiter-Hersteller höchstens eine Halteposition. Bisher behielten sie Recht, denn die Aktie bewegte sich im Monatsvergleich per Saldo kaum. Belastend wirkte trotz steigender Chippreise der Verkauf von 40 Millionen Aktien durch die Muttergesellschaft Siemens und der nur sehr vorsichtig optimistische Ausblick auf die weitere Geschäftsentwicklung. Trotzdem scheint der Turnaround in der Hochtechnologie da, das machte auch Siemens deutlich. Wie die Tochter übertraf auch die Mutter die Erwartungen der Analysten und konnte im letzten Quartal wieder die Gewinnzone erreichen.

Am unbeliebtesten machte sich das zweite Kind der Siemens-Familie: Für 2001 werden die Anteilseigner von Epcos wohl keine Dividende erhalten. Und im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres sind Umsatz und vor allem Gewinn eingebrochen. Epcos holte aber 30 Prozent mehr Aufträge ins Haus, spätestens im dritten Quartal soll ein Umsatzplus folgen. Am Ende des Monats ist der Börsenwert von Epcos trotzdem rund 18 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn.

Am Horrorjahr 2001 hat auch die Deutsche Bank zu knabbern. Der Gewinn ist um über fünf Milliarden Euro eingebrochen, bleibt allerdings, anders als vielfach befürchtet, im schwarzen Terrain. Zu kämpfen hat das Finanzhaus allerdings nicht nur mit schwierigen Märkten, sondern auch mit dem anstehenden Führungswechsel. Ende Mai wird Josef Ackermann Konzernchef Rolf Breuer ablösen. Das übliche Sammeln der Heere sorgte für erhebliche Unruhe in der Bank und unter den Anlegern. Rund zehn Prozent Abschlag waren die Quittung.

Angesichts der mäßigen Januar-Bilanz bleiben auf Jahressicht weiter nur zwei Aktien im Plus: BMW und vor allem Schering, die in den letzten vier Handelswochen um weitere neun Prozent fester tendierten. 2001 soll das sechste Erfolgsjahr in Folge werden, heißt es. Auch eine höhere Dividende ist denkbar. Eine gefüllte Produkt-Pipeline, satte Verkaufszahlen und eine ständige Ausweitung des Kooperation-Netzwerks - im Januar zuletzt mit der Biotech-Firma Mologen - überzeugten offenbar viele Anleger. Und ausnahmsweise sind sich in Sachen Schering sogar die Analysten einig: Kaufen.

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