Wirtschaft : Die Anti-Berlusconi-Bewegung

Aus dem "Wall Street Journal" übersetzt,g

Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi ist derzeit in französischen Regierungskreisen nicht besonders gut gelitten. Dennoch sollte die sozialistische Kulturministerin Catherine Tasca einmal darüber nachdenken, ob sie mit ihrem Vorschlag, Berlusconi von der Pariser Buchmesse auszuschließen, nicht dem internationalen Ansehen Frankreichs geschadet hat.

Wie Tasca gehören auch der französische Außenminister Hubert Védrine und der Europaminister Pierre Moscovi der sozialistischen Partei an. Und auch sie machen aus ihrer Aversion gegen den Italiener keinen Hehl. Mit ihrer Drohung, die Eröffnung der Pariser Buchmesse zu boykottieren, falls Berlusconi eingeladen werde, stellte sich die Kulturministerin jedoch an die Spitze der Anti-Berlusconi-Bewegung.

Schwerpunktthema der Buchmesse ist Italien. Der Besuch Berlusconis gehört da zum Programm. Tasca äußerte sich jedoch sehr besorgt über die italienische Kulturpolitik. Und die muss in der Tat ganz miserabel sein, wenn sie im nächsten Atemzug ihren Stellvertreter zu einer Buchmesse in Havanna schickt. Kuba ist das letzte Land in der westlichen Hemnisphäre, in dem die Zensur immer noch die Regel ist. Michel Duffour, Tascas Stellvertreter, sagte der französischen Zeitung Libération, er habe mit Fidel Castro gespeist und dabei über Bildungspolitik, die anstehenden Wahlen in Frankreich und die Situation in der Karibik und Lateinamerika gesprochen. Kein Wort über politische Gefangene, geschweige denn freie Wahlen in Kuba, die es seit über vierzig Jahren nicht mehr gegeben hat. Auf die Frage, ob es nicht ein Widerspruch sei, Berlusconi zu meiden, aber Castro zu verhätscheln, reagierte Duffour beleidigt.

Auch Berlusconi reagierte auf die Anfeindungen der französischen Diplomatie: Er traf sich mit dem britischen Premierminister Tony Blair, um zu überlegen, wie man den deutsch-französischen Einfluss auf die europäische Wirtschaftspolitik eindämmen kann. Gerade die europäische Politik ist Frankreichs letzte Hoffnung, weltweit noch irgendeine diplomatische Bedeutung zu haben. Jetzt wird auch diese Rolle in Frage gestellt. Vielleicht kann Castro ja der französischen Regierung einen Rat geben, wie das Problem Tasca gelöst werden kann.

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