Wirtschaft : „Die Aufgabe ist nicht ganz einfach“

Der neue Telekom-Chef erklärt seine Strategie

Corinna Visser

Berlin - René Obermann fühlt sich offenbar wohl in seiner neuen Rolle. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf dem politischen Parkett Berlins ist der neue Chef der Deutschen Telekom erstaunlich locker. Viel lockerer, als Beobachter ihn bisher kannten. Dabei sind mehr als 500 Politiker und Wirtschaftsvertreter Donnerstagabend in die Hauptstadt-Repräsentanz des Konzerns gekommen. Sie waren neugierig auf den neuen Mann an der Spitze der Telekom. Eine 45-minütige programmatische Grundsatzrede kündigt Obermann scherzhaft an. Unter den Zuhörern sind die Parteichefs Kurt Beck (SPD), Reinhard Bütikofer (Grüne), Guido Westerwelle (FDP) und der Chef des Bundeskanzleramts Thomas de Maizière (CDU). Tatsächlich braucht Obermann weniger als 15 Minuten, um seine Strategie vorzustellen.

Nach vorne will der 43-jährige Manager schauen, den Konzern langfristig auf Markt und Wettbewerb ausrichten, sich auf Deutschland konzentrieren. Dabei kündigt er an: „Wir brauchen noch mehr Effizienz und Sparsamkeit.“ Und er verspricht, dass sich das Unternehmen besser auf seine Kunden einstellen will. „Wir brauchen mehr Servicequalität – Service, Service, Service.“ Das erfordere „ganz detaillierte Arbeit“. Da ist er nicht mehr so locker.

Die Ankündigung, „die Menschen sollen uns verstehen“, löst bei den Zuhörern dankbare Erleichterung aus. Auch die Einsicht „wir brauchen engagierte und motivierte Mitarbeiter“ freut die Politiker von Bund und Ländern, denn schließlich sind mehr als 100 000 Mitarbeiter in Deutschland auch Wähler. Obermann vergisst dabei natürlich nicht zu erwähnen, dass er auch an die Wünsche des Kapitalmarkts denkt. Denn der Bund ist mit rund 30 Prozent der Anteile immer noch größter T-Aktionär. „Die Aufgabe ist nicht ganz einfach“, gibt er zu, „ ohne in Panik verfallen zu wollen.“ Natürlich weist er auch darauf hin, wie wichtig die Rahmenbedingungen für seine Arbeit seien. Die Telekom brauche einen konstruktiven vertrauensvollen Dialog mit der Politik. Dabei werde das Unternehmen seine Ziele nicht über Nacht erreichen. „Aber es sollte auch keine fünf Jahre dauern“, sagt er. „Wir packen das.“

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