Wirtschaft : Die Bahn will mehr Pakete ausfahren

BONN . Bahn und Post wollen ihre Zusammenarbeit ausweiten und mehr Fracht von der Straße auf die Schiene bringen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Vorstandsvorsitzenden der beiden Unternehmen, Johannes Ludewig (Deutsche Bahn AG/Berlin) und Klaus Zumwinkel (Deutsche Post AG/Bonn), am Donnerstag in Bonn unterschrieben. Beide sprachen von dem Beginn einer "neuen Ära".Von Januar 2000 an sollen für die Paketbeförderung bis zu 160 Stundenkilometer schnelle "Parcel-Intercity-Züge" eingesetzt werden. Zunächst werden sie von Hamburg über Hannover nach Nürnberg, München und Stuttgart verkehren und ihre Fracht innerhalb einer Nacht an den Bestimmungsort bringen.Mit eigens dafür ausgestatteten Wagen und entsprechenden Lokomotiven könnten auf dieser Hauptverkehrsachse zwischen Norden und Süden pro Nacht 120 Ladeeinheiten zwischen 20 Uhr und fünf Uhr transportiert werden, sagte Ludewig. Für die Umwelt bedeute das eine Entlastung der Straße um mindestens 60 Lastwagen pro Nacht, pro Jahr rund 15 000 Lkw-Fahrten. Nach einem dreimonatigen Probebetrieb sei eine Ausweitung auf West-Ost-Verbindungen ins Auge gefaßt.Die Post will an Werktagen 20 Prozent mehr Pakete auf der Schiene befördern, sagte Zumwinkel. Bisher werde an Werktagen zehn Prozent und an Wochenenden 50 Prozent des nationalen Frachtaufkommens in Zügen transportiert. Pro Jahr sind knapp 80 000 Container mit Paketen auf der Bahn unterwegs. 10 000 weitere Behälter sollen jetzt von der Straße auf die Schiene verlagert werden.Darüber hinaus stehen 20 000 Container für andere Kunden zur Verfügung. "Jeder ist eingeladen, auf den Zug mit aufzuspringen", sagte Zumwinkel. Es gebe schon jetzt großes Interesse an schnellen Bahntransporten, sagte der Post-Chef. Für die Deutsche Post AG liege der Vorteil vor allem in der Qualitätsverbesserung. Die Kosten blieben in etwa auf derselben Höhe wie bei einer Beförderung auf der Straße. Die Schiene sei aber im Vergleich zum Straßenverkehr nicht nur in ökologischer Hinsicht der Transportweg der Zukunft. Auch im Hinblick auf die Laufzeiten bei stetig zunehmendem Straßenverkehr könne sie langfristig mehr bieten. Die Post hatte zur Organisation von neuen Schienentransporten auch mit dem Wettbewerber United Parcel Service (UPS) Verhandlungen geführt und eine gemeinsame Projektgesellschaft gegründet.

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