Wirtschaft : Die Banken entscheiden über Kirch und Holzmann

hps/jojo/HB

Optimismus bestimmte am Sonntag die Gespräche zwischen der mit mindestens 6,9 Milliarden Euro verschuldeten Kirch-Gruppe und den Gläubigerbanken, darunter die Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank, Bayerische Landesbank und DZ-Bank. "Es geht voran", berichtete ein Kirch-Insider. Dagegen wächst die Gefahr einer Insolvenz der Philipp Holzmann AG. Auch am Wochenende konnten sich die größten Kreditgeber des Baukonzerns nicht auf ein Hilfspaket einigen. Wie aus Bankenkreisen zu hören war, lehnen vor allem die Dresdner Bank und die Bankgesellschaft Berlin das von der Deutschen Bank mitgetragene Rettungskonzept mit einem Volumen von 200 Millionen Euro strikt ab.

Zur Sanierung der Kirch-Gruppe wird unterdessen über einen Verkauf von Sendern wie dem verlustreichen Deutschen Sportfernsehen (DSF) diskutiert. "Es gibt keine Planungen, dass DSF zu schließen oder zu verkaufen", erklärte ein Kirch-Sprecher am Sonntag. Er fügte allerdings an: "Es laufen allgemeine Gespräche mit den Banken." Die Lokalsender stehen hingegen auf der Verkaufsliste; ein drastischer Personalabbau steht bevor. Selbst wenn Kirch einen Käufer findet, muss sich ein großer Teil der 250 Mitarbeiter einen neuen Job suchen. Christian Böhmer, Geschäftsführer der TV-Kanäle in Berlin (TV Berlin), Hamburg (Hamburg1) und München (TV München), plant statt eines Vollprogramms nur noch zwei bis dreistündige Schleifen zu produzieren. Diese Blöcke mit lokalen Inhalten würden dann Tag und Nacht wiederholt. Nach unbestätigten Berichten soll allein TV München jedes Jahr 10 Millionen Euro Verlust schreiben.

"Wir müssen komplett neu herangehen", sagte Böhmer dem Handelsblatt, "die momentane Konstruktion ist nicht aussichtsreich". Gegenwärtig sei er zusammen mit Kirch in Gesprächen mit möglichen Kaufinteressenten. Auch der defizitäre Nachrichtensender N 24 in Berlin durchforstet derzeit sein Programm nach Einsparpotenzialen. "Nach jetzigem Stand findet aber kein Arbeitsplatzabbau statt", erklärte ein Insider. Erst vor wenigen Tagen musste Geschäftsführer Ulrich Ende den Berliner Sender verlassen. N 24 beschäftigt derzeit 270 Mitarbeiter und produziert die Nachrichten für Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1.

Der über viele Jahre als Nachfolger von Leo Kirch gehandelte Jan Mojto verlässt den Konzern bereits in wenigen Wochen. Er wird sich mit einer eigenen Firma namens EOS (Events on Screen) selbstständig machen. Mojto nimmt einige seiner engsten Mitarbeiter mit, hieß es aus Unternehmenskreisen. Der 53-Jährige ist Vizechef der Kirch Media und für Filmproduktion und Filmrechtehandel zuständig. Wegen seiner exzellenten Kontakte galt der Manager - seit mehr als 20 Jahren bei Kirch - lange Zeit als unverzichtbar. Mojto hatte letztes Jahr den Machtkampf mit Kirch-Vize Dieter Hahn verloren.

Holzmann unter Zeitdruck

An den starren Fronten der Gläubigerbanken von Holzmann hat sich am Wochenende nichts geändert. Wie berichtet, sieht das Konzept eine Finanzspritze über rund 86 Millionen Euro sowie einen Forderungsverzicht über 114 Millionen Euro vor. Im Gegenzug würden die Banken Zugriff auf die rentable Dienstleistungstochter HSG Philipp Holzmann Technischer Service GmbH erhalten. Damit wächst auch der Druck auf die Deutsche Bank, die größter Kreditgeber und mit knapp 20 Prozent zugleich größter Anteilseigner des Baukonzerns ist. Jetzt droht Holzmann die Zeit davon zu rennen. Der Konzern ist nach vorläufigen Zahlen für das Jahr 2001 bilanziell überschuldet, da die Verluste von 237 Millionen Euro das Eigenkapital übersteigen. Der Gesetzgeber sieht vor, dass das Management eines Unternehmens spätestens drei Wochen nach der Feststellung der Überschuldung Insolvenz anmelden muss. Im Umfeld des Unternehmens wird geschätzt, dass diese Frist etwa am Ende dieser Woche ablaufen dürfte.

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