Wirtschaft : Die Basis will neue IG-Metall-Chefs Mitarbeiterbefragung bei Opel

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Berlin (uwe). In der Führungskrise der IG Metall verlangt die Basis mit unerwarteter Deutlichkeit einen Wechsel an der Spitze der Gewerkschaft: 95 Prozent der Mitarbeiter des Autobauers Opel haben sich in einer Mitgliederbefragung für personelle Konsequenzen ausgesprochen. Das Ergebnis der Befragung gab die Gewerkschaft gestern abend bei einer Versammlung in Rüsselsheim bekannt. Ursprünglich hatte der scheidende Gewerkschaftschef Klaus Zwickel an der Versammlung teilnehmen wollen. Gestern nachmittag sagte er sein Erscheinen in Rüsselsheim ab. Das wurde von Opelmitarbeitern als „Feigheit“ bezeichnet.

Zwickel und sein Stellvertreter Jürgen Peters sind nach dem gescheiterten Streik um die 35Stunden-Woche in Ostdeutschland heillos zerstritten, machen sich gegenseitig für das Desaster verantwortlich und werfen sich Täuschung und mangelnde Loyalität vor. Zwickel will an diesem Freitag eine „persönliche Erklärung“ abgeben und möglicherweise auch einen Vorschlag für die Besetzung einer neuen Gewerkschaftsspitze machen, die dann beim vorgezogenen Gewerkschaftstag Ende August zur Wahl antreten könnte. Jürgen Peters will sich in jedem Fall auch zu Wahl stellen.

Nach Tagesspiegel-Informationen ist Zwickel jedoch am Donnerstag nachmittag noch nicht sicher gewesen, ob und wen er nennen kann. Zwickel hatte am Mittwoch offenbar noch einmal versucht, den baden-württembergischen Bezirksvorsitzenden Berthold Huber zur Kandidatur zu bewegen. Offenbar tut sich der scheidende Gewerkschaftschef aber schwer damit, zwei Kandidaten zu finden, die gemeinsam gegen Jürgen Peters antreten wollen. Der zweite Vorsitzende Peters will auch dann antreten, wenn der Vorstand eine andere personelle Lösung vorschlagen würde. Peters vertritt nach wie vor die Ansicht, dass eine neue Spitze beide Lager in der Gewerkschaft repräsentieren muss.

Mit gehörigem Unverständnis wird in der IG-Metall-Spitze registriert, dass Klaus Zwickel nun offenbar vorhat, seine Kandidaten zuerst öffentlich vorzustellen, bevor er sie am kommenden Mittwoch dem Vorstand vorschlägt. „Wenn er das tut, ist er wirklich von allen guten Geistern verlassen“, sagte ein IG-Metall-Funktionär dem Tagesspiegel.

Tarifvertrag Ost wieder einsetzen

Unabhängig von den Vorbereitungen für den Gewerkschaftstag arbeiten Arbeitgeber und Arbeitnehmer der ostdeutschen Metallindustrie daran, den von der IG Metall gekündigten Tarifvertrag über die Arbeitszeit wieder einzusetzen. In diesem Tarifvertrag ist die 38-Stunden-Woche als Regelarbeitszeit festgeschrieben. Sowohl die IG Metall als auch die ostdeutschen Arbeitgeberverbände wollen diesen Tarifvertrag wieder einsetzen. Offen ist allerdings, ob der Tarifvertrag neu verhandelt oder nur wieder eingesetzt wird. Während die Arbeitgeber den Vertrag lediglich wieder einsetzen wollen und eine Laufzeit bis zum Jahr 2008 vorschlagen, gibt es in der IG Metall Stimmen, die eine kürzere Laufzeit präferieren und außerdem eine Ergänzungsklausel in die Verträge aufnehmen wollen: Diese Klausel soll auch den Unternehmen, die im vergangenen Arbeitskampf per Haustarifvertrag eine 35-Stunden-Woche unterschrieben haben, die Rückkehr in den Flächentarifvertrag ermöglichen.

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