Wirtschaft : Die Baukrise schwächt die Entwicklung in Ostdeutschland

In Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt veröffentlicht der Tagesspiegel einmal im Monat eine Konjunkturkolumne. Der Frühindikator soll frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte anzeigen und berücksichtigt dabei aktuelle Branchendaten.

Die Konjunktur in Deutschland bleibt weiterhin gespalten. Das Konjunkturbarometer für die neuen Länder ist im Januar von drei auf 2,6 Prozent gefallen. Der Frühindikator für Westdeutschland hat sich dagegen von 2,5 Prozent auf 2,6 Prozent verbessert. Rund 90 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung werden derzeit im Westen erbracht. Der Anstieg des Frühindikators lässt somit auf eine weitere Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Deutschland insgesamt schließen. Der Konjunkturaufschwung dürfte jedoch vorerst auf den Westen beschränkt bleiben. Dafür spricht auch die geringe Exportorientierung der ostdeutschen Wirtschaft. Allerdings deutet der jüngste Ifo-Konjunkturtest darauf hin, dass sich die Konsumnachfrage in beiden Teilen Deutschlands erholen wird.

Der Ifo-Konjunkturtest lässt zumindest im Westen zunehmenden Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe erkennen. Der Anstieg von 4,9 auf 10,5 Saldopunkte im November ging mit einer weiter verbesserten Einschätzung der Geschäftserwartungen (16,5 nach 13,1 Punkten) und der aktuellen Geschäftslage (4,7 nach minus 2,9 Punkten) einher. Damit beurteilten die westdeutschen Unternehmen ihre Geschäftslage im Saldo erstmals wieder positiv. Auch ihre Exporterwartungen sind nochmals optimistischer geworden. Im Gegensatz dazu hat sich das Ifo-Geschäftsklima im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe wieder verschlechtert (minus 0,1 nach 1,1 Punkten). Hier trübt vor allem die Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften die Stimmung. Andererseits wird die Zukunft durchaus hoffnungsvoll gesehen. Sorgen bereitet nach wie vor die Baukonjunktur. Dies gilt besonders für den Osten, doch auch in den alten Bundesländern ist wieder einer Schwächephase eingetreten.

Der seit Anfang des vergangenen Jahres anhaltende Zinsanstieg am Rentenmarkt ist im November vorerst unterbrochen worden. Die durchschnittliche Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere gab von 5,2 Prozent im Vormonat auf fünf Prozent nach. Da gleichzeitig der Dreimonatszins Euribor von 3,38 auf 3,47 Prozent kletterte, hat sich die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen weiter auf 1,5 Prozentpunkte ermäßigt. Trotz des tendenziell dämpfenden Einflusses auf die Konjunktur ist dies noch kein Grund zur Beunruhigung. Sorgen müsste man sich erst machen, wenn die Inflationsrate anziehen und die Europäische Zentralbank (EZB) dadurch zu einer restriktiven Geldpolitik gezwungen würde.

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