Wirtschaft : Die Bewag ist nur der Anfang

DANIEL RHEE-PIENING

Der Bewag-Vorstand hat lange versucht, den Umbau des Berliner Energieversorgers in kleinen und für die Berliner Wirtschafts- und Sozialpolitiker verträglichen Dosen zu bewerkstelligen. Hätten sich die Besitzverhälnisse bei der Bewag im vergangenen Jahr nicht verändert, wäre dieser Weg bei der Bewag vielleicht sogar noch eine Weile möglich gewesen. Das Abgeordnetenhaus und die Berliner Parteien hätten das ihre dazu getan, das Schutzschild zu erhalten. Doch die Bewag wurde verkauft, und die Aktionäre gucken auf die Rendite.

Entscheidender für das drastische Kostensenkungsprogramm der Bewag aber ist die Liberalisierung der Strommärkte. Die Entscheidung der Europäischen Union, auch den Markt für Strom aus den Händen der Gebietsmonopolisten zu lösen, hat zu wachsender Konkurrenz geführt. Deutsche und ausländische Energieversorger verschaffen sich - unterstützt vom Bundeskartellamt - Zugang zum Berliner Markt. Die Bewag darf kein Inselnetz mehr betreiben, sondern ist schon jetzt nur einer unter vielen möglichen Versorgern. Die Verbraucher sagen täglich klar, was sie wollen: billigen Strom.

Nur wenn es der Bewag schnell gelingt, in allen Bereichen wettbewerbsfähig zu werden und in das übrige Bundesgebiet zu expandieren, nur wenn sie neue Geschäftsfelder aufbauen kann, werden die im Jahr 2002 verbleibenden Arbeitsplätze noch sicher sein. Nur dann wird die Bewag auch vermeiden können, bloß ein Verteiler der westdeutschen Stromkonzerne zu sein. Für die Beschäftigten und für die Arbeitsmarktbilanz der Stadt mag das jetzige Programm bitter sein. Aber es wäre naiv gewesen, zu glauben, ausgerechnet der Energieversorger der Stadt könnte sich dem massiven Strukturwandel am hiesigen Standort auf Dauer entziehen. Vielleicht hat die Bewag dies sogar zu lange versucht.

Der Fall Bewag zeigt beispielhaft, was in den kommenden Jahren bei der Gasag und den Wasserbetrieben zu erwarten ist. Auch hier geht eine Berliner Ära zu Ende. Ohne massive Auswirkungen auf die Arbeitsplätze wird auch der Umbau bei den anderen Berliner Versorgern nicht bleiben.

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