Wirtschaft : Die Billigflieger kommen nach Berlin

Rainer W. During

Während die einen mit großem Tam-Tam ihren Auftritt inszenieren, sind die anderen klammheimlich gestartet. Mit dem Beginn des Winterflugplans ist auch Berlin ins Fadenkreuz der Billigfluglinien gerückt, die den großen Airlines mit flotten Sprüchen, niedrigen Ticketpreisen und wenig Service Konkurrenz machen wollen. London, Brüssel und Rom sind die ersten Zielorte, die so auch für Passagiere mit kleinerem Geldbeutel plötzlich eine Reise wert sind. Weit über 10 000 Tickets hat Virgin Express, die Luftverkehrsgesellschaft des britischen Multiunternehmers Richard Branson, seit dem Buchungsstart Mitte September schon in der Region abgesetzt. Virgin Express ist übrigens die belgische Tochter des britischen Virgin-Konzerns, und betrieben werden die Berlin-Flüge mit in Irland registrierten Jets von deren Ableger Virgin Express (Ireland) Ltd..

Heimlich, still und leise, ganz ohne den sonst üblichen Rummel, ist indessen bereits am 1. November die erste Maschine von KLMuk in Tegel gelandet. Werktags gibt es drei Flugpaare zwischen London-Stansted und Berlin. Sonnabends wird einmal, sonntags zweimal gestartet. Der britische Franchise-Partner der niederländischen Fluglinie hat in eigener Regie die neue Low-Cost-Airline "Buzz" kreiert, die am 4. Januar auch diese Route übernehmen wird. Dass die Briten ihre 110sitzigen Jets bereits jetzt in den blau-weißen Farben der holländischen Muttergesellschaft auf die Strecke schicken, passt den Amsterdamer Namensgebern überhaupt nicht. Weil die renommierte KLM nicht mit Billigflügen in Verbindung gebracht werden soll, muß man dem Vernehmen nach auf jede Werbung unter diesem Namen verzichten.

Bei der KLM-Telefonreservierung (0180-521 42 01) kann man die Dienste indessen buchen. Der Einführungstarif beträgt 175 Mark für den Hin- und Rückflug, ist dort zu erfahren. Damit liegt man noch um 23 Mark unter dem Eröffnungsangebot von Virgin Express, das "Schnäppchen" wird allerdings durch "knapp 100 Mark" an Steuern und Gebühren getrübt. Ab dem 4. Januar starten die Jets dann unter dem Motto "Die frische Idee im Niedrigpreis-Reisen" im neuen, gelb-lila-grünen Buzz-Design (Buchungen unter 0044870-240 70 70 oder im Internet unter www.buzzaway.com ), der einfache Flug ist dann für 94 Mark zu haben. Der Bordservice kostet extra.

Dass KLMuk die Nase auf dem Berliner Billigflugmarkt um anderthalb Wochen vorne hat und ebenfalls den Airport im Nordwesten der britischen Metropole bedient, stört Virgin Express nicht. "Wir glauben an den Wettbewerb und haben keine Probleme damit", sagt Marketing-Vizedirektor David Huttner. Ab dem 10. November starten die roten Branson-Boeings von Schönefeld zweimal täglich nach Stansted sowie je einmal nach Rom und Brüssel. Der noch bis 10. November buchbare Starttarif (0180-20 000 39, Internet www.virgin-express.com ) beträgt für den einfachen Flug nach Brüssel 49, nach London und Rom 99 Mark, auch hier plus Steuern und Gebühren. Für 149 Mark werden Umsteigeverbindungen nach Barcelona, Madrid und Shannon angeboten. Ab dem 11. November sollen die Preise "nur geringfügig" steigen, die genauen Tarife werden am Mittwoch bekanntgegeben.

Auch "Go", die Billigflug-Tochter von British Airways, hat seit mehreren Flugplan-Perioden vorsorglich Slots an den Berliner Flughäfen reserviert. Das Billigflug-Geschäft zieht viele an. Dabei ist der Wettbewerb untereinander enorm und kann mitunter - siehe Branchenvorreiter Debonair - tödlich enden. Doch es geht um einen lukrativen Wachstumsmarkt mit enormen Steigerungsraten: Waren 1998 in Europa 5,4 Millionen Passagiere mit Niedrigpreis-Anbietern unterwegs, so werden es nach einer Studie der Mintel International Group im Jahr 2003 bereits 15 Millionen sein.

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