Wirtschaft : „Die Branche befindet sich in einem Wettlauf“

Ist das Elektroauto die Zukunft?

Die offene Frage ist, wie schnell die Speicherkapazitäten steigt. Alle hoffen auf die Lithium-Ionen-Batterie, die auch im S- Klasse-Hybrid von Mercedes steckt, der 2009 kommt. Ein reines Elektroauto, das über eine Reichweite von 100 Kilometern hinauskommt und eine Familie befördern kann, wird noch einige Zeit dauern. Trotzdem befindet sich die Branche bei dieser Antriebsform in einem ungeheuren Wettlauf. Das ist gut, weil wir so neben Brennstoffzellen und Wasserstoffmotoren eine weitere Zukunftsoption entwickeln.

Und der heutige Verbrennungsmotor?

Spätestens bis 2020 zeigt sich, ob Diesel- und Benzinmotoren absehbar verdrängt werden – oder so wenig verbrauchen, dass sie ihren Platz haben. Ob der Elektroantrieb auf dem Weltmarkt in der Breite bestehen kann, können wir vermutlich schon in vier, fünf Jahren erahnen.

Können Ladestationen, wie sie Shai Agassi in Israel plant, das Problem lösen?

Das ist ein ausgesprochen spannendes Unternehmenskonzept. Es zeigt eine der Lösungsmöglichkeiten. Aber es ist offen, ob sie nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch tragfähig ist.

Wo sollte der Strom herkommen?

Wenn wir eine flächendeckende Infrastruktur für Elektrofahrzeuge schaffen, wird die Stromgewinnung zu einem Problem. Da ist man schnell bei der Atomkraft, denn Kohle erhöht die CO2-Belastung. Es macht keinen Sinn, wenn die Ökobilanz des Autos stimmt, aber nicht die der Stromerzeugung. Erneuerbare Energien allein werden den Mehrbedarf nicht decken können.

Soll man Elektroautos steuerlich fördern?

Wir stehen ja hoffentlich kurz vor einer Reform der Kfz-Steuer. Wenn man Autos mit einem geringen CO2-Ausstoß für einige Jahre von der Steuer ausnähme, gälte das auch für Elektrofahrzeuge. Das ist ein guter Anreiz. Politik sollte aber nicht über die Technologie entscheiden.

Matthias Wissmann ist Präsident des

Verbands der Automobilindustrie (VDA).

Das CDU-Mitglied war von 1993 bis 1998

Bundesverkehrsminister. Das Gespräch führte Moritz Döbler.

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